Armut in Lateinamerika sinkt weiter

UN-Wirtschaftskommission stellt Jahresbericht 2011 vor. Experten sehen positive Entwicklung. Unklarheit über Venezuela

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Autoren des Berichtes bei dessen Vorstellung in Santiago de Chile
Autoren des Berichtes bei dessen Vorstellung in Santiago de Chile

Santiago de Chile. Die Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hat am Dienstagnachmittag in Santiago de Chile ihren Bericht für das Jahr 2011 vorgestellt. Daraus geht hervor, dass die Armut in der Region weiter rückläufig ist. Gehörten im Jahr 2010 noch 31 Prozent der Bevölkerung zu den armen Schichten, waren es im Jahr 2011 nur noch 29,4 Prozent. Diese niedrigste Quote der letzten dreißig Jahre betrifft jedoch immer noch 168 Millionen Menschen. Der Anteil der Menschen in extremer Armut verringerte sich von 12,1 auf 11,5 Prozent. Die positive Entwicklung soll sich dank eines stabilen Wirtschaftswachstums und einer geringen Inflation auch in diesem Jahr fortsetzen.

Laut dem Bericht der UN-Wirtschaftskommission betrug das Wirtschaftswachstum in der Region im Jahr 2011 rund 4,3 Prozent und wird im Jahr 2012 bei etwa 3,2 Prozent liegen. Auch die Arbeitslosenzahlen verzeichnen einen Rückgang von 7,3 Prozent im Jahr 2010 auf 6,7 Prozent in 2011. Zu den Ländern, denen die Kommission große Anstrengungen bei der Armutsbekämpfung bescheinigten, gehören Argentinien (8,6 auf 5,7 Prozent), Brasilien (24,9 auf 20,9 Prozent), Ecuador (37,1 auf 32,4 Prozent), Kolumbien (37,3 auf 34,2 Prozent), Paraguay (54,8 auf 49,6 Prozent), Peru (31,3 auf 27,8 Prozent) und Uruguay (8,6 auf 6,7 Prozent).

In Chile und Panama fiel die Entwicklung weniger intensiv aus und in Costa Rica, der Dominikanischen Republik und Venezuela blieben die Zahlen in etwa auf dem Vorjahresniveau.

Unter anderem die spanische Nachrichtenagentur EFE berichtete über einen "leichten Anstieg" der Armut in Costa Rica, der Dominikanischen Republik und Venezuela. Besonders die Aussage zu Venezuela wurde von regierungskritischen Medien hervorgehoben. Allerdings relativieren die Autoren des CEPAL-Jahresberichtes die Aussage selbst in einer Fußnote. So wird auf Seite 15 des Reports darauf hingewiesen, dass das Resultat zumindest im Fall der Dominikanischen Republik und Venezuelas wegen "geringfügiger methodologischer Unterschiede" von den offiziellen Angaben der jeweiligen Regierungen abweichen. Aus einer nebenstehenden Tabelle geht hervor, dass im Fall Venezuelas die Armut von 48,6 Prozent im Jahr 2002 auf 27,8 Prozent (2010) und 29,5 Prozent (2011) zurückging.

Der Bericht zeigt auch eine weitere Verbesserung des Gini-Koeffizienten, der die Ungleichverteilung im jeweiligen Land misst. In den Jahren 2002 bis 2011 verbesserte er sich in der großen Mehrheit der Länder Lateinamerikas und der Karibik. Besonders wenig Ungleichheit gibt es demnach in Uruguay und Venezuela.

Allerdings warnt die Kommission auch davor, dass sich die Ungleichverteilung zwischen den Geschlechtern zu Ungunsten der Frauen und Kinder verschiebt.

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