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Raúl Castro lobt Barack Obama: "Ein ehrlicher Mann"

Präsidenten von Kuba und den USA sprechen über eine Stunde auf Amerika-Gipfel in Panama. Freundlichkeit und Hinweise auf "tiefgreifende Differenzen"

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Reichen sich wieder die Hand: die Präsidenten Kubas und der USA, Raúl Castro und Barack Obama
Reichen sich wieder die Hand: die Präsidenten Kubas und der USA, Raúl Castro und Barack Obama

Panama-Stadt. Nach dem historischen Handschlag folgte die historische Unterredung: In Panama-Stadt sind die Präsidenten der USA und Kubas, Barack Obama und Raúl Castro, zu einem Gespräch zusammengekommen, um die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu diskutieren. Das Treffen am Ende des 7. Amerika-Gipfels in Panama-Stadt war der erste geplante Kontakt zwischen den Staatschefs beider Länder nach mehr als einem halben Jahrhundert.

Bereits im Dezember und im Vorfeld des Gipfeltreffens der US-dominierten Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatten beide Politiker miteinander telefoniert. Am 17. Dezember hatten Obama und Castro in parallel ausgestrahlten Fernsehansprachen die Wiederaufnahme der Beziehungen verkündet. 

Für die US-Delegation war der Gipfel durchaus eine Gratwanderung: Auf der einen Seite mussten die Kontakte als Erfolg verkauft werden, auf der anderen Seite durfte die Annäherung nicht zu sehr betont werden. Außenamtssprecherin Marie Harf hatte bereits am Donnerstag ein Foto von einem Treffen zwischen US-Außenminister John Kerry und dessen kubanischem Amtskollegen Bruno Rodríguez über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht. Zugleich ließ die US-Regierung verlauten, dass zwischen Obama und Castro kein offizielles bilaterales Treffen geplant sei. Es werde aber Raum für eine "Interaktion" geben. Am Ende dauerte die Unterredung dann aber doch etwa eine Stunde und 20 Minuten, berichteten später Vertreter der kubanischen Delegation.

Während des Treffens sagte Präsident Castro, Kuba sei bereit, den Dialog mit den USA "mit viel Geduld" zu führen. "In einigen Dingen stimmen wir überein, in anderen nicht", so der 83-Jährige nach Angaben des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur. Er schließe nicht aus, dass es Punkte geben, die sich nicht kurzfristig lösen ließen und deren Lösung lange Zeit benötigten. Beide Länder blickten auf eine komplizierte Geschichte zurück: "Nun sind wir aber bereit, nach vorne zu schreiten und Freundschaft zwischen unseren Völkern zu schaffen." 

US-Präsident Obama dankte seinem kubanischen Amtskollegen indes für dessen Bereitschaft zur politischen Öffnung. Er hoffe, dass beide Seiten eine Veränderung der bilateralen Beziehungen auf Basis des gegenseitigen Respekts erreichen können. Seine politische Linie bestehe darin, "abzusichern, dass das kubanische Volk in Wohlstand lebt und Beziehungen mit dem Rest der Welt unterhält", so Obama. Der Weg dazu führt nach Obamas Meinung auch über wirtschaftliche Kontakte: "In dem Maße, in dem es einen stärkeren Austausch im Handel gibt, wird es auch einen direkteren Kontakt zwischen den Menschen geben." Am Freitag war Castro mit dem Vorsitzenden der US-Handelskammer, Tom J. Donohue, zusammengekommen.

Auch Obama betonte, dass es weiterhin "tiefgreifende und bedeutende Differenzen" zwischen den Regierungen beider Länder gebe. "Mit der Zeit werden wir dieses Kapitel aber hinter uns lassen und eine gute Beziehung zwischen beiden Staaten erreichen", sagte er.

Auf dem Gipfel selbst hatte Castro in einer emotionaler Rede wieder das Ende der US-Blockade gegen Kuba gefordert. Die Folgen des vor einem halben Jahrhundert verhängten Embargos seien für die Kubaner "grauenhafter, als sich jeder vorstellen kann". Die kubanische Regierung beziffert die Blockadeschäden seit Beginn dieser US-Politik nach der Kubanischen Revolution 1959 auf mehr als 80 Milliarden Euro. Dennoch hatte er auch Worte des Lobes für den US-Präsidenten: "Meiner Meinung nach ist Obama ein ehrlicher Mann."

Die Spannungen zwischen den USA und Venezuela führten in Panama nicht zu größeren Diskussionen. Jedoch übten mehrere Staatschefs harsche Kritik an der Venezuela-Politik Washingtons, unter ihnen die argentinische Präsidentin Cristina Fernańdez de Kirchner und Boliviens Präsident Evo Morales. Auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff lehnte "einseitige Maßnahmen und Isolationspolitik" ab. Ihr Amtskollege aus Ecuador, Rafael Correa, verwies darauf, dass US-Sanktionen gegen Venezuela gegen die Charta der OAS verstoßen.

Den Spannungen zum Trotz kam Obama am Rande des Gipfels zu einem informellen Treffen mit seinem venezolanischen Amtskollegen Nicolás Maduro zusammen. Dieser hatte ihn zuvor in einer Rede auf dem Gipfel aufgefordert, die im März verhängten Sanktionen gegen mehrere venezolanische Regierungsvertreter zu erläutern und aufzuheben. Der US-Präsident betonte, dass sein Land Venezuela nicht bedrohen wolle. Es gehe den USA vielmehr darum, "Demokratie, Stabilität und Wohlstand in Venezuela und der Region zu unterstützen", sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats des Weißen Hauses.

Noch vor der Rede Maduros auf dem offiziellen Gipfel hatte Obama den Saal zuvor verlassen. Maduro hatte dabei die Haltung seines Landes verteidigt. Seine Regierung sei nicht "antiamerikanisch, sondern antiimperialistisch".

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