Christopher Street Day in Lateinamerika

In vielen Städten fanden Demonstrationen, Paraden und Kundgebungen unter dem Motto "Orgullo Gay" statt und wiesen auf die Lage von LGBT hin

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"Orgullo Gay" in Bogotá
"Orgullo Gay" in Bogotá

Bogotá. Die zentralen Themen der Aktionen zum diesjährigen Christopher Street Day waren der Schutz der Menschenrechte von LGBT sowie die Gleichstellung von LGBT-Paaren im Familienrecht. Zudem wurde auf die teils dramatischen Bedingungen und Übergriffe gegen LGBT hingewiesen.   

In Kolumbien nahmen am 27. Juni Tausende an den Paraden des "Orgullo Gay" (Schwuler Stolz) in verschiedenen Städten teil. Viele Menschen müssen sich im Alltag verstecken und nutzen daher diesen Tag, um sich frei zeigen zu können. Die Nichtregierungsorganisation Colombia Diversa meldet, dass in den Jahren 2013 und 2014 über 164 Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ermordet worden seien. Im Zentrum der politischen Forderungen stand das Ende der sozialen Ungleichheit, die Forderung nach dem Recht auf Adoption sowie gleichgeschlechtliche Ehe. Diese befindet sich in einer rechtlichen Grauzone: 2011 wurde die Entscheidung mit einer Frist von zwei Jahren an den Kongress gegeben, der bis heute keine Entscheidung getroffen hat. Mit Blick auf die USA und die dort soeben legalisierte Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern sagte Alejandro Miches Valencia, ein Organisator der Demonstration: "Diese Entscheidung ist für uns ein Vorbild".

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Bei der Parade in Quito
Bei der Parade in Quito

Auch bei den Demonstrationen in Mexiko war dies ein zentrales Thema: Lol Kin Castañeda zufolge sind 80 Prozent der Bevölkerung streng katholisch und daher besorgt und gegenüber LGBT feindlich eingestellt. Castañeda, heute 39 Jahre alt, und ihre Freundin heirateten im März 2010 als erstes lesbischen Paar in Lateinamerika. Diese rechtliche Gleichstellung bezeichnet Castañeda als "Triumph für die gesamte mexikanische Bevölkerung", da sie die Weichen für eine respektvolle und gerechte Gesellschaft stelle.

Bemerkenswert war die zahlreiche Teilnahme von Firmen an der 37. LGBT-Demonstration in Mexiko-Stadt, die in alphabetischer Reihenfolge unter ihren jeweiligen Firmenbannern mitliefen. So präsentierten sich Accenture, American Express, AT&T, Banamex, Dow, Google, JP Morgan, IBM, Microsoft, Pfizer, P&G und Scotiabank, allerdings keine mexikanische. Die Firmen hielten ein Spruchband mit der englischen Aufschrift "Pride Connection" (Stolze Verbindung), dem Namen eines Netzwerkes von Firmen, die sich selbst als inklusiv bezeichnen.

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"Ich bin nicht homosexuell, aber ich unterstütze!" während der Demonstration in Cali
"Ich bin nicht homosexuell, aber ich unterstütze!" während der Demonstration in Cali

In Uruguay berichteten Teilnehmer der Demonstration, dass sich in den letzten Jahren viel verändert habe und weniger feindliche Gesichter am Rande der Demonstration zu sehen seien. Seit Jahren verbessere die Regierung den rechtlichen und politischen Rahmen für die Gleichheit aller Geschlechter und sexueller Orientierungen, so die Teilnehmerin Alejandra Collette Spinetti. Allerdings fehle noch viel, um einen sozialen und gesellschaftlichen Wandel zu erreichen.

Vom sozialen und gesellschaftlichen Wandel berichtet auch der Ecuadorianer Nicanor Benítez von der Stiftung Ecuador Equidad: "Jedes Jahr kommen mehr Menschen, das weist schon auf eine Veränderung hin. Vor zehn Jahren waren wir nur wenige, heute erwarten wir mehr als 8.000 Personen. Die Menschen sind stolz darauf, zu zeigen, was sie sind." Vom sozialen Wandel ausgehend soll Druck auf die Regierung ausgeübt werden, um auch rechtliche Veränderungen zu erzielen. Gruppen wie Silueta X, Barricada Feminista und Tejido Diverso fordern die Gleichstellung von LGBT vor Gesetz und Verfassung, unter anderem in Bezug auf Ehe und Adoption.

In San Salvador wurde vor allem auf die Opfer unter LGBT hingewiesen: zwölf Menschen sind in den vergangenen Wochen ermordet worden und die Aktivisten fordern Aufklärung und Gerechtigkeit. Forderungen wie die nach dem Recht auf Ehe seien für LGBT in El Salvador weniger relevant, so ein Sprecher der Aktivisten, denn es gebe drängendere Probleme. "Hier ermorden sie uns. Erst brauchen wir Sicherheit, dann können wir reden," sagte William Hernández, ein Organisator der Demonstration. Seit 1997 sind mehr als 500 LGBT ermordet worden. “Die Situation ist gravierend. Die Fälle werden nicht angezeigt und nicht verfolgt”, so der Sprecher. Ein großes Spruchband zeigte die Gesichter Ermordeter und die Aufschrift: “Die Straflosigkeit in El Salvador ist Schuld des Staates”. Viele Teilnehmer trugen Flügel mit schwarzer Verzierung.

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