Kolumbien / Politik

ELN in Kolumbien erklärt befristete Waffenruhe

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ELN-Fahne
ELN-Fahne

Bogotá. Die kolumbianische Guerillagruppe "Nationale Befreiungsarmee" (ELN) wird vom 30. September bis zum 5. Oktober auf militärische Operationen verzichten. Damit solle die Teilnahme der Bevölkerung an der Volksabstimmung über den Friedensvertrag zwischen den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) und der Regierung erleichtert werden, heißt es in einer Bekanntmachung der ELN-Leitung. Die Organisation teile verschiedene Punkte des Abkommens nicht und sei der Auffassung, dass der Weg des Friedens gerade erst beginne und noch nicht abgeschlossen ist. Das Wohl der gesamten Nation stehe jedoch über diesen Differenzen, so die Begründung.

Die Rebellen betonen abschließend erneut ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit der Regierung.

Am 30. März hatten ELN und die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos nach zwei Jahren Sondierung den Beginn offizieller Friedensverhandlungen im Mai bekannt gegeben. Santos hatte sie jedoch Anfang Mai suspendiert, bis die Organisation ihre Gefangenen freilasse und "deutliche Schritte der Demobilisierung" zeige. Die ELN wirft der Regierung vor, sich nicht an die Absprachen zu halten: Diese Bedingungen seien weder in den Vorverhandlungen noch in dem unterzeichneten Abkommen von Ende März thematisiert worden.

Kolumbiens Innenminister Juan Fernando Cristo begrüßte indes die Entscheidung der ELN zur befristeten Waffenruhe. "Dies werden die ruhigsten Wahlen der Geschichte", sagte der Minister. Die Regierung hoffe nun, dass die Guerilla "im nächsten Schritt die Entführten freilässt".

Die ELN ist eine der ältesten noch agierenden Guerillagruppierungen Lateinamerikas. Sie hatte unlängst Kritik an den Vereinbarungen zwischen Regierung und Farc geäußert: Frieden sei nicht allein durch die Entwaffnung und Legalisierung der Guerilla erreichbar, sondern es müssten strukturelle Veränderungen im Land durchgeführt werden. Dafür gebe es wenig Bereitschaft seitens der Regierung. Deren Ziel sei lediglich die Eindämmung der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges, sie folge somit einem "ökonomischen Kalkül".

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