Sicherheitskräfte in Mexiko erschießen Zivilisten

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Mutter eines erschossenen Zivilisten in Mexiko
Mutter eines erschossenen Zivilisten in Mexiko

Michoacán, Mexiko. In der indigenen Gemeinde Arantepacua im mexikanischen Bundesstaat Michoacán sind im Zuge von Protesten vier Kleinbauern von der Bundespolizei erschossen worden. Ein weiterer ist im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. 37 von insgesamt 56 Festgenommenen sind unter Bewährungsauflagen aus der Haft entlassen worden. Ihnen steht ein Prozess wegen Freiheitsentzug und Beschädigung öffentlicher Infrastruktur bevor.

Die Auseinandersetzung begann am 4. April, als Dutzende Kleinbauern in gekaperten Reisebussen in die Hauptstadt Morelia fahren wollten, um eine Lösung für den langjährigen Landkonflikt mit der benachbarten Gemeinde zu erreichen. Auf dem Weg wurden sie von Bundespolizisten festgesetzt. Sie nahmen alle Demonstranten mit der Begründung fest, die öffentliche Sicherheit garantieren zu müssen. Die Aktivisten durften weder mit Verwandten noch mit Anwälten Kontakt aufnehmen.

Am 5. April blockierten Angehörige und Einwohner aus Arantepacua eine zentrale Verkehrsroute und hielten Fahrzeuge fest, während eine andere Gruppe in die Hauptstadt des Bundesstaates fuhr, um sich nach dem Verbleib der 38 Festgenommenen zu erkundigen. Sie suchten zudem das Gespräch mit dem Gouverneur Silvano Aureoles Conejo, der zur langjährigen Staatspartei PRI (Partei der institutionalisierten Revolution) gehört. Noch während des Gesprächs gab der Gouverneur den Befehl, 70 Spezialeinheiten mit je acht Mann nach Arantepacua zu entsenden, um die Straßenblockaden aufzulösen.

Diese Einheiten drangen ohne Durchsuchungsbefehl in Häuser ein, nahmen mehrere Personen fest, lösten die Proteste unter Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen, erschossen vier Zivilisten und verletzten zahlreiche weitere Personen.

Aufgrund dieser exzessiven Gewaltanwendung wird nun die Nationale Menschenrechtskommission (CNDH) die Ermittlungen übernehmen.

Die Rebellengruppe Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) und der Nationale Indigene Rat bekundeten ihre Solidarität mit der Gemeinde in einem Kommuniqué. "Die schlechte Regierung denkt, dass sie, wenn sie Terror in den indigenen Gemeinden verbreitet, die Indigenen zum Schweigen bringen kann, aber das wird nicht passieren", heißt es darin.

Nationale Menschenrechtsorganisationen verurteilen die Morde scharf und starteten eine Eilaktion, in der von der mexikanischen Regierung verlangt wird, die Sicherheit der Einwohner von Arantepacua zu gewährleisten, gründliche Ermittlungen durchzuführen, die Entsendung von Menschenrechtsbeobachter zuzulassen sowie den Forderungen der Gemeinde nachzukommen.

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