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Exporte aus Ecuador in EU steigen nach Freihandelsabkommen

Vereinbarung soll positive Auswirkungen in einigen Agrarbereichen haben. Quito drängt auf Änderungen. Keine Angaben zu etwaigen Negativfolgen

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Exporte Ecuador-EU
Ecuador konnte seine Exporte in die EU seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens um 14 Prozent steigern

Quito. Das Ministerium für Außenhandel von Ecuador hat nach den ersten Monaten des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens mit der EU erste Zahlen bekannt gegeben, die einen Anstieg der Exporte belegen. Im Vergleich der Monate Januar bis August der Jahre 2016 und 2017 hatten die Exporte einen Zuwachs von 14 Prozent und legten von anfänglich 1,65 Milliarden US-Dollar (2016) auf 1,89 Milliarden US-Dollar (2017) zu. Dies entspricht einem Zuwachs von 240 Millionen US-Dollar.

Dabei konzentrieren sich 90 Prozent der Exporte auf nur acht EU-Länder: Italien, Spanien, Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Griechenland. Ecuador sieht somit klare Wachstumschancen in den übrigen 20 EU-Ländern. Diese Annahme wird von Zahlen unterstützt, die einen Anstieg von bereits 50 Prozent des Handelsvolumens in diesen Ländern im genannten Zeitraum zeigen. Allen voran Lettland, Estland, Portugal, Ungarn, die Slowakei und Schweden werden dabei genannt. Die Agrarprodukte, die von dem erleichterten Marktzugang bisher am meisten profitieren konnten, sind Speiseöle (Anstieg um 74 Prozent), Fisch in Konservendosen (59 Prozent), Blumen (17 Prozent) und Bananen (14 Prozent).

Generell exportiert Ecuador in die EU-Länder besonders Blumen, vor allem Rosen, Krabben und Bananen. Aber auch Produkte, die bisher gar nicht bis wenig ausgeführt wurden, haben laut Ministerium für Außenhandel einen Aufschwung erfahren. Dabei handelt es sich unter anderem um Quinoa-Samen, Bohnen, Brokkoli, Heilpflanzen, Maniok, Pitahaya (Drachenfrucht) und die Passionsfrucht.

Im Bereich organisch hergestellter Produkte sieht Ecuador jedoch noch großes Steigerungspotential. Für den Export in die EU gelten dabei spezielle Regeln, die über einfache Zollbefreiungen hinausgehen. Da von der EU in diesem Bereich höhere Ansprüche an die Wertschöpfungskette gestellt werden, ist der Marktzugang insbesondere für kleinere ecuadorianische Produzenten noch relativ kompliziert und kostspielig. Um bereits mit den einfachsten Bio- und Ökosiegeln zertifiziert zu werden, die man für eine entsprechende Einfuhr in die EU und einen Verkauf auf EU-Märkten benötigt, müssen allen voran kleine Produzenten auf vielen Ebenen ihre Produktion umstellen. Auch wenn bereits vorher ökologische wie nachhaltige Kriterien erfüllt werden, fordert die EU, ähnlich wie etwa das nordamerikanische Zertifikat "USDA organic", sich anzupassen. Das fällt größeren Produzenten deutlich einfacher, da diese die Möglichkeit eines größeren Kapitaleinsatzes haben.

Aus diesem Grund hat das Ministerium für Außenhandel eine Anfrage an die Europäische Kommission gestellt, die Einfuhr für organisch und nachhaltig produzierte Waren zu erleichtern. Davon könnten beispielsweise Produzenten von Schokolade profitieren, die bisher eher die unverarbeitete Kakaobohne nach Europa exportieren – als ein zertifiziertes und selbst hergestelltes Endprodukt.

Ecuador war im November vergangenen Jahres dem bereits bestehenden Freihandelsabkommen der EU mit Peru und Kolumbien beigetreten. Die damalige Regierung von Rafael Correa hatte jedoch einige Ausnahmen für spezifische Produkte aushandeln können, damit diese sich in der erhöhten Konkurrenz besser behaupten können. Seit Inkrafttreten des Abkommens im Januar sind 99,7 Prozent der Agrarprodukte und 100 Prozent der Industrie- und Fischereiprodukte von Einfuhrzöllen in die EU befreit. Ob und welche Branchen durch Importe aus der EU negativ beeinflusst sind, hat das Ministerium für Außenhandel bisher noch nicht bekanntgegeben.

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