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26.12.2017 Kolumbien / Umwelt

Größtes Hochmoor in Kolumbien von Tourismus und Bergbau bedroht

Mehr Fremdenverkehr seit Ende des Konflikts mit Farc-Guerilla. Neue Herausforderungen für Umweltschutz auch durch Bergbau
Der Páramo, eine einzigartige Moorlandschaft, existiert nur in Höhenlagen über 3.000 Meter in Kolumbien

Der Páramo, eine einzigartige Moorlandschaft, existiert nur in Höhenlagen über 3.000 Meter in Kolumbien

Bogotá. Das größte Hochmoorgebiet Kolumbiens, Sumapaz, ist nach Medienberichten zunehmend von Tourismus und Bergbau bedroht. Das Gebiet liegt nur etwa eine Autostunde von Bogotá entfernt und gilt als einer der wichtigsten Wasserspeicher des Landes. Der Zugang war aufgrund des internen bewaffneten Konflikts bisher gefährlich. Mit dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Rebellen der Farc hat sich dies geändert. Täglich fahren Busse voll mit Touristen in den Páramo, so der lokale Name für ein Hochmoor. Täglich seien es bis zu 1.500 Personen, heißt es von lokalen Quellen.

Dieser touristische Boom könnte als einer der Vorteile des beendeten Konfliktes gesehen werden, doch entstehen auch neue Probleme. So gibt es noch kaum touristische Infrastruktur und die Touristen richten großen Schaden an. So lassen sie den Abfall liegen, jagen und fischen ohne Erlaubnis, betreten und befahren die sensible Vegetation und reißen sogar endemische Pflanzen aus.

Die fehlenden Kontrollen und die Probleme mit den Besuchermassen führten zu Konflikten mit den lokalen Kleinbauern. Die Lokalen Einwohnerräte (Juntas de Acción Comunal) blockierten wiederholt die Zugangsstraßen, um die Touristen fern zu halten. Das ist aber illegal, da es keine Rechtsgrundlage gibt, die im Sumapaz Tourismusgebiete und Schutzgebiete definiert. Am 15. Juli 2017 sollte die Ausdehnung des Páramo Sumapaz definiert werden. Die Bauern wollen aber weiter Straßen blockieren, und die Umweltbehörde setzt Personen ein, die die Touristen für die Umweltproblematik sensibilisieren.

Die andere Bedrohung des Páramo Sumapaz liegt in der Erdölförderung. 2011 hat die nationale Erdölagentur ANH zwei große Blöcke mit zusammen 113.000 Hektar Land vergeben, die ganz Arbeláez und Pasca und große Teile der Stadt Fusagasugá beinhalten. Ein Block wurde Alange Energy zugeschlagen. Dieses Unternehmen hat nach umfassenden seismischen Untersuchungen den Block jedoch zurückgegeben, wegen den enttäuschenden geologischen Resultaten und wegen der Schwierigkeit, in der Region arbeiten zu können. Probleme bestehen aufgrund des Widerstands der Bevölkerung und wegen Umweltbedenken.

Der zweite Block gehört Canacol und ist momentan wegen des Widerstands der Bevölkerung und der Opposition verschiedener Gemeinschaften suspendiert. Anfang Juli 2017 sagte die Gemeinde Arbeláez in einer Volksbefragung sehr deutlich Nein zur Erdölförderung. In Pasca könnte bald dasselbe passieren: Die für den 6. August 2017 geplante Abstimmung in Pasca wurde jedoch suspendiert, da die Vereinigung der Kolumbianischen Erdölingenieure ACIPET eine Klage beim Staatsrat gegen die Volksbefragung eingereicht hat.

Der Bürgermeister von Pasca unterstützt die Volksbefragung, weil die geplante Erdölförderung auch den Páramo betreffe. Es gelte die Wasserquellen zu schützen, die auch für die neun Millionen Einwohner Bogotas wichtig seien. Es könne nicht sein, dass Bürokraten an einem Schreibtisch einfach Quadrate auf Landkarten an Unternehmen vergeben, ohne sich darum zu kümmern, was es dort gebe. Viele Familien wären betroffen und es würde wahrscheinlich zu vielen Umsiedlungen kommen. Nebst dem ökologisch wichtigen Páramo ist es auch ein landwirtschaftlich wichtiges Gebiet, das unter anderem die Hauptstadt Bogotá mit Zwiebeln, Kartoffeln und anderem Gemüse versorgt, was auch zu Konflikten um die Wassernutzung und befürchtete Wasserverschmutzung führen würde. Die Kolumbianische Erdölvereinigung (ACP) ist zwar der Ansicht, dass eine gut gemanagte und kontrollierte Erdölförderung mit der Landwirtschaft koexistieren könne, die Bevölkerung ist aber mehrheitlich gegen die Erdölförderung.

Anmerkung der Redaktion: Die finanzielle Lage der ask! Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ist schlecht. Verschiedene Finanzierungsquellen sind in den letzten Jahren weggebrochen, ohne dass dafür Ersatz gefunden wurde. Ohne nachhaltige Finanzierung ist das Informationsangebot der ask! gefährdet. Spenden über die Homepage möglich.

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