Kolumbien / Politik

Linker Präsidentschaftskandidat in Stichwahl in Kolumbien

Iván Duque aus rechtem Uribe-Lager gewinnt erste Runde. Linker Kandidat Gustavo Petro an zweiter Stelle. Stichwahl in drei Wochen stark polarisiert

wahl_kolumbien_2018_petro.jpg

Gustavo Petro bei der Stimmabgabe am gestrigen Sonntag in Kolumbien
Gustavo Petro bei der Stimmabgabe am gestrigen Sonntag in Kolumbien

Bogotá. Das erste Mal in der Geschichte des südamerikanischen Landes schafft es ein linker Kandidat in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl.

Trotzdem der rechte Kandidat Iván Duque mit insgesamt 39 Prozent der Stimmen vorne liegt, feiern die sozialen Bewegungen und die kolumbianische Linke den historischen Sieg ihres Kandidaten Gustavo Petro. Der ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá erreichte landesweit 25 Prozent der Stimmen. Zur Direktwahl im ersten Wahlgang wären über 50 Prozent der Stimmen nötig gewesen. Damit wird am 17. Juni eine Stichwahl zwischen dem extrem rechten Kandidaten aus dem Lager des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe und dem linken Kandidaten stattfinden. Petro war im Wahlkampf vor allem für soziale Gerechtigkeit und ein neues Wirtschaftsmodell eingetreten.

Die weiteren Stimmen verteilen sich auf den für die Grüne Partei angetretenen Sergio Fajardo mit fast 24 Prozent, den ultrarechten Germán Vargas Lleras mit rund 7 Prozent und den Verhandlungsführer der Regierung unter Juan Manuel Santos mit der Farc-Guerilla, Humberto de la Calle, der jedoch nur etwa 2 Prozent erreichte. Damit hat das politische Lager des bisherigen Präsidenten Santos die größten Stimmenverluste erlitten, da diese sich im Vorfeld für Vargas ausgesprochen hatten.

In 9 von 32 Departments lag der linke Kandidat Petro vorne, darunter an der Pazifik- und Atlantikküste und in ehemaligen Farc-Gebieten wie Vaupés und Putumayo. Duque gewann alle anderen Departments mit Ausnahme des Hauptstadtbezirks Bogotá D.C., den Fajardo als einziges Department für sich entschied.

Interessant sind auch die Wahlergebnisse der großen Städte: In Bogotá gewann Fajardo mit 33 Prozent, gefolgt von Petro (29) und dann erst Duque (26). In Cali gewann ebenfalls Fajardo (32), jedoch gefolgt von Duque (28). Dort bekam Petro nur 26 Prozent. In den beiden größten Karibikstädten Cartagena und Barranquilla gewann jeweils Petro (45 und 38 Prozent). Medellín bleibt weiterhin die Hochburg der Rechten. Dort bekam Petro gerade einmal 7 Prozent, Duque 53 Prozent und Fajardo 30 Prozent. Medellín steht exemplarisch für das Department Antioquia, der politischen Heimat von Álvaro Uribe: Petro erzielte dort weit unter 10 Prozent, wohingegen Duque mit der absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang Präsident geworden wäre.

wahl_kolumbien_2018_duque.jpg

Iván Duque bedankte sich gestern Abend auf Facebook bei seinen Wählern. Hier mit der Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Marta Lucía Ramírez.
Iván Duque bedankte sich gestern Abend auf Facebook bei seinen Wählern. Hier mit der Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Marta Lucía Ramírez.

Auch die Ergebnisse der im Ausland lebenden Stimmberechtigten sprechen für sich: in den USA haben über 70 Prozent für Duque gestimmt, in Europa holte Fajardo fast überall die meisten Stimmen, so zum Beispiel in Deutschland mit fast 60 Prozent, gefolgt von Petro (22) und Duque (13). In Russland und Kuba gewann Petro mit Abstand vor allen anderen Kandidaten.

Die Wahlbeteiligung lag ähnlich wie bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen bei rund 53 Prozent. Jeweils 2 Prozent der Stimmen wurden "en blanco" und ungültig abgegeben.

Wahlbetrug und Stimmenkauf sind in Kolumbien bei den letzten Wahlen immer wieder beklagt worden. Auch dieses Jahr gab es laut lokalen Beobachtern Unstimmigkeiten. Die Vorwürfe wegen Stimmkauf und Korruption richten sich vor allem gegen die Unterstützer von Duque und Lleras. Für beide Kandidaten wären Stimmen erkauft worden und in einigen Regionen sei Druck auf die Wähler ausgeübt worden.

Aus dem Cauca wurde gemeldet, dass das Senatsmitglied Temistocles Ortega mehrere Millionen Euro als Belohnung in die Regionen fließen lassen würde, in denen Vargas Lleras gewinnt. In der Pazifikstadt Buenaventura, einer Hochburg Petros, hätten hunderte Menschen nicht wählen können, da ihr Ausweis angeblich nicht registriert sei. Im Department Huila wurde in der Nacht auf Sonntag der regionale Vorsitzende der Kampagne für Petro ermordet. Gabriel Muñoz sollte zudem auch als Wahlbeobachter die Stimmabgabe überprüfen. Es gab außerdem Berichte über schon vorher markierte Stimmzettel, gelöschte Stimmabgaben und Durchführungen in Wahllokalen, die nicht offiziell ernannt worden seien. Laut Innenminister Guillermo Rivera sollen bis zum Abend 1239 Meldungen zu Unregelmäßigkeiten eingegangen sein.

Es kam, soweit bisher bekannt, zu keinen gewalttätigen Auseinandersetzungen oder Anschlägen bewaffneter Gruppen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr