Kolumbien / Politik

Geste der Versöhnung und weiße Mäuse im Kongress in Kolumbien

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Die Farc-Senatorin Griselda Lobo alias Sandra Ramírez übergibt Ex-Präsident Álvaro Uribe eine Pflanze als Symbol des Friedens
Die Farc-Senatorin Griselda Lobo alias Sandra Ramírez übergibt Ex-Präsident Álvaro Uribe eine Pflanze als Symbol des Friedens

Bogotá. Eine Sitzung des Kongresses in Kolumbien ist am Dienstag unterbrochen worden, nachdem Unbekannte von der Besuchertribüne aus die Vertreter der ultrachten Regierungspartei Centro Democrático (CD) mit lebenden weißen Mäusen und Konfetti beworfen hatten.

Vorausgegangen war eine Aktion der Fraktion der Partei Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (Farc), der Nachfolgeorganisation der Guerilla. Deren Abgeordnete Griselda Lobo hatte Ex-Präsident Álvaro Uribe und den übrigen Senatoren der CD kleine Topfpflanzen überreicht. Die Plenarsitzung, zu der auch überlebende Opfer eines Attentats der Guerilla im Jahr 2003 eingeladen waren, stand im Zeichen des internationalen Tages der Menschenrechte unter dem Motto "Versöhnung".

Senatorin Griselda Lobo alias Sandra Ramírez, Guerillakämpferin seit ihrem 17. Lebensjahr und Gefährtin des verstorbenen Farc-Mitbegründers Manuel Marulanda, sagte in ihrer Ansprache: "Mit Hass kommt man nicht weiter. Polarisierung und Fanatismus sind schlechte Berater, niemand ist im Besitz der absoluten Wahrheit. Frieden ist ein kollektives Werk". Sie forderte Uribe auf, "Teil der Versöhnung der kolumbianischen Familie" zu werden. Die Pflanze symbolisiere den Frieden, der täglich aufgebaut und mit Wasser versorgt werden müsse.

Der Ex-Präsident, der stets ein vehementer Gegner des Friedensabkommens war und während seiner Amtszeit (2002 ‒ 2010) auf die militärische Lösung des bewaffneten Konfliktes gesetzt hatte, wies die Geste zunächst zurück, obwohl er "keinen Hass in sich habe", wie er betonte. Auf Drängen Lobos gab Uribe nach. Er könne sich nicht weigern, die Pflanze anzunehmen, er bitte aber die Senatorin zu verstehen, dass es viele Widersprüche zwischen ihnen gebe, erklärte er. Als Beispiel nannte er die Wählbarkeit der früheren Guerillamitglieder in politische Ämter. Diesen Punkt der Vereinbarungen hatte Uribe immer besonders scharf kritisiert und gefordert, die Farc-Angehörigen müssten "zuerst für ihre Verbrechen bezahlen", bevor sie im Kongress vertreten sein können. Unter dem Beifall der Parlamentsabgeordneten nahm er die Pflanze schließlich an.

Bislang hat sich niemand zu der Aktion gegen die Senatoren der Regierungspartei CD bekannt. Die Parlamentarier verurteilen sie einhellig, Lobo bezeichnetet sie als "Sabotageakt" und forderte Ermittlungen.

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