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ELN aus Kolumbien erwägt Unterstützung für Venezuela

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Das Problem der Rückkehr der ELN-Friedensdelegation von Havanna nach Kolumbien bleibt ungelöst
Das Problem der Rückkehr der ELN-Friedensdelegation von Havanna nach Kolumbien bleibt ungelöst

Havanna/Bogotá. In einem Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph hat der Vorsitzende der Verhandlungsgruppe der Nationalen Befreiungsarmee (ELN), Pablo Beltrán, erklärt, dass die kolumbianischen Rebellen Venezuela bei der Abwehr eines eventuellen US-Bodenangriffs unterstützen würden. Die Zeitung hatte darauf hingewiesen, dass Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton letzte Woche mit einem Notizblock fotografiert wurde, auf dem "5.000 Soldaten nach Kolumbien" gekritzelt stand. Bolton bekräftigte, dass die USA gegen Venezuela "alle Optionen offen halten".

Der ELN-Kommandant warf den USA vor, einen Staatsstreich in Venezuela durchzuführen. In diesem Kontext befürchte er, dass das kolumbianische Militär die Krise als Rechtfertigung nutzen könnte, um Operationen gegen die Guerilla mit Trumps Unterstützung zu intensivieren. "Bei einem US-Angriffsplan wären wir als erste dran. Daran haben wir keine Zweifel", so Beltrán.

Sowohl die Regierung Kolumbiens als auch der venezolanische Parlamentschef Juan Guaidó beschuldigten die ELN immer wieder, in Venezuela aktiv zu sein. Guaidó hat unlängst die Soldaten an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela dazu aufgerufen, die ELN hinauszuwerfen. Dies sei eine Sache der venezolanischen Souveränität, sagte der Politiker.

Nachdem die ELN Ende Januar einen Bombenanschlag gegen eine Akademie der Polizei verübt hatte, die in Kolumbien dem Militär unterstellt ist, erklärte der kolumbianische Präsident Iván Duque die Friedensgespräche mit dieser Guerilla für beendet. Bei dem Attentat starben 21 Polizisten. Trotz einigen Telefongesprächen zwischen der Regierung und der ELN hatte Duque jedoch die von der Vorgängerregierung angefangenen Friedensverhandlungen schon seit Amtsantritt im August, also lange vor dem Anschlag, blockiert.

Während des einseitigen Waffenstillstands, den die ELN über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage eingehalten hatte, habe das Militär etwa zwei Tonnen Bomben auf ELN-Lager geworfen, sagte Beltrán gegenüber der Journalistin Claudia Korol und erklärte die anhaltende Bereitschaft der ELN für einen Friedensdialog.

Inzwischen bleibt das Problem der Rückkehr der ELN-Friedensdelegation von Havanna nach Kolumbien ungelöst. Präsident Duque weigert sich, die vereinbarten Maßnahmen zur Rückkehr der ELN-Unterhändler einzuhalten. Für den Fall eines Abbruchs der Friedensgespräche wurde unter der Regierung Santos ein eindeutiges Protokoll vereinbart. Diese Maßnahmen wurden in Kolumbien bei Friedensgesprächen immer festgelegt und alle Regierungen, die des ultrarechten Álvaro Uribe eingeschlossen, hatten sie bisher respektiert. Nun kündigte der Vorsitzende der ELN-Friedensdelegation an, die vereinbarte Ausreisefrist von zwei Wochen nicht einhalten zu können. Die Frist endete am 2. Februar. Während dessen hat  Duque vier Milliarden Pesos (rund 1,2 Millionen Euro) für Informationen ausgesetzt, die zur Festnahme von drei ELN-Kommandanten in Kolumbien führen könnten.

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