Brasilien: Bolsonaro empfiehlt Merkel, lieber Deutschland aufzuforsten

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Brasiliens Präsident, Jair Bolsonaro, scheint sich eher erfreut zu zeigen, dass Deutschland vorerst seine Regierung nicht mehr für den Erhalt des Regenwalds finanziell unterstützen will
Brasiliens Präsident, Jair Bolsonaro, scheint sich eher erfreut zu zeigen, dass Deutschland vorerst seine Regierung nicht mehr für den Erhalt des Regenwalds finanziell unterstützen will

Brasília/Berlin. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat nach dem Stopp deutscher Finanzmittel zum Regenwaldschutz in Brasilien der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel empfohlen, das Geld zuhause einzusetzen. Am Rande einer Pressekonferenz am Mittwochabend richtete er sich direkt an die Bundeskanzlerin: "Ich wollte der lieben Frau Angela Merkel, die 80 Millionen US-Dollar [sic!] für die Amazonas-Region eingefroren hat, etwas mitteilen: Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf, ok? Da wird es viel mehr gebraucht als hier", so Bolsonaro. Ob sich Bolsonaro auf die Notwendigkeit des Geldes oder die Wiederaufforstung bezieht, ließ er im Ungewissen. Ferner handelt es sich nicht um 80 Millionen US-Dollar, sondern um 40 Millionen.

Dem verbalen Schlag ging die Ankündigung der deutschen Umweltministerin Svenja Schulze voraus, wegen der zunehmenden Rodung des brasilianischen Regenwaldes Projektmittel für den Waldschutz in Höhe von 35 Millionen Euro einzufrieren. Tatsächlich geht es mittelfristig um bedeutend mehr Geld. Laut dem deutschen Umweltministerium sind aktuell 391 Millionen Euro für nachhaltige Nutzung und den Schutz des Amazonas vorgesehen.

Seit Antritt der ultrarechten Regierung unter Bolsonaro ist die Entwaldung im Land in die Höhe geschossen. Zwischen Juli 2018 und 2019 stieg der Grad der Abholzung um 278 Prozent, berichtete jüngst das nationale Institut für Raumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, Inpe). Laut INPE wurden im vergangenen Juli insgesamt 2.254 Quadratkilometer Wald abgeholzt – mehr als die 2,5-fache Größe Berlins in einem Monat. Im Juli 2018 waren es noch 596,6 Quadratkilometer, wie die Satellitenaufnahmen des INPE zeigen.

Die ultrarechte Regierung des Landes behauptet hingegen, dass die Zahlen durch fragwürdige Methoden zur Erkennung von Entwaldung aufgebläht seien. Bolsonaro beschuldigte den Leiter des Institutes, Ricardo Galvão, heimlich im Dienst einer Umweltschutzorganisation zu stehen. Galvão verteidigte die Daten des Instituts und bestritt öffentlich Bolsonaros Kompetenz, die Daten analysieren zu können. Der Präsident reagierte mit der Entlassung des Physikers und setzte einen Militär an die Spitze des Instituts.

Mit dem Schlagabtausch geht die Regierung in Brasília bewusst auf Konfrontation zu Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Als Leugner des Menschen gemachten Klimawandels unterstreicht Bolsonaro seine neue Allianz mit den USA.

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