Ecuador / Umwelt / Wirtschaft

Ecuador exportiert trotz Protesten Gold aus erstem Untertagebergbau

Erstes Gold nach Europa verschifft. Regierung setzt auf Einnahmen. Lokaler Widerstand wenig erfolgreich

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Aus der ersten Untertagebaumine Ecuadors wurde nun der Export nach Europa begonnen - allen Protesten zum Trotz
Aus der ersten Untertagebaumine Ecuadors wurde nun der Export nach Europa begonnen - allen Protesten zum Trotz

Guayaquil. Die ersten Goldexporte der größten und ersten unter Tage betriebenen industriellen Goldmine Ecuadors, Fruta del Norte, in der Provinz Zamora Chinchipe, haben das südamerikanische Land verlassen. Begleitet von teils starken Protesten hatte Mitte November die Förderung begonnen. In der vergangenen Woche nun wurden 177,9 Tonnen Gold-Konzentrat in Containern in Begleitung von bewaffneten Sicherheitskräften zum Hafen von Guayaquil gebracht und von dort aus nach Europa verschifft.

Der ecuadorianische Minister für Energie und natürliche Ressourcen, José Agusto Briones, betonte, dass die Mine im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen operiere und zur Konsolidierung eines "verantwortungsvollen Bergbaus" in Ecuador beitrage, der die Entwicklung der Dorfgemeinschaften begünstigen und staatliche Einnahmen generieren soll.

Die Goldmine Fruta del Norte wird von der kanadischen Firma Lundingold betrieben und soll in den nächsten 15 Jahren Exporteinnahmen von 7,887 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Aus dem abgebauten Erz sollen dem Bergbauministerium zufolge in Zukunft auch Gold- und Silberbarren mit sehr hohem Reinheitsgrad hergestellt werden, die per Flugzeug exportiert werden sollen. Hierfür fehle allerdings noch eine Zertifizierung der Bergbau-Regulierungs- und -Kontrollbehörde.

Die geplante Investition in die Goldmine beträgt 2,7 Milliarden US-Dollar. Die Mine soll bis zum Jahr 2034 jährlich 310.000 Feinunzen Gold und 400.000 Feinunzen Silber produzieren, bei Erzeugungskosten von 583 US-Dollar pro Feinunze. Der Betreiber gibt die Anzahl der potentiellen direkten und indirekten Arbeitsplätze mit 14.208 an.

Der ecuadorianische Präsident, Lenin Moreno, der markt- und exportorientierte Politiken verfolgt, treibt die Entwicklung des Bergbausektors voran, den er im traditionell stark von der Erdölförderung abhängigen Ecuador mittelfristig zu einer bedeutenden Einnahmenquelle machen will. So ist für Dezember ebenfalls der Export von Kupferkonzentrat des Tagebaus Mirador vorgesehen, dessen Konzession eine Tochterfirma der chinesischen Unternehmens CRCC-Tongguan hält.

Im Vorfeld hatte es Proteste gegen das Bergbauprojekt gegeben. So war im Oktober 2018 die benachbarte Gemeinde Los Encuentros im Kanton Yantzaza in einen unbefristeten Streik getreten und hatte eine Zufahrtsbrücke zur Mine blockiert, weil diese durch den Schwerlastverkehr zum Bau der Goldmine in den letzten Jahren stark beschädigt worden war. Sie forderten den Bau einer stabilen neuen Brücke am selben Ort und die Asphaltierung ihrer Zufahrtsstraße nach Los Encuentros-Paquisha. Angesichts der erwarteten staatlichen Lizenzeinnahmen aus dem Goldminenprojekt in Höhe von 45 Millionen US-Dollar könne es nicht sein, dass die jahrelangen Forderungen der Gemeinde nach Reparatur der beschädigten Brücke ignoriert würden.

Unterstützt wurden die Forderungen der lokalen Bevölkerung vom Präfekten der Provinz, Salvador Quishpe. Dieser forderte zudem, dass weitere Bestimmungen zum Schutz des traditionellen Territoriums erforderlich seien, die Mine lokale Arbeitskräfte zu angemessenen Löhnen beschäftigen müsse und die staatlichen Einnahmen aus den Bergbau-Lizenzgebühren vor Ort zur Entwicklung der Gemeinde verbleiben müssten. In einer Gemeindeversammlung in Los Encuentros im Oktober wurde eine Übereinkunft mit dem Präsidenten der lokalen Regierung, Carlos Chamba, unterzeichnet. Darin wurde der Bau einer neuen Brücke sowie Wartungsarbeiten zur Instandhaltung der alten Brücke vereinbart. die nur noch im Rahmen ihrer maximalen Traglast von 20 Tonnen benutzt werden sollte.

Die Bergbaufirma kündigte im Oktober 2019 dann den Bau einer neuen Brücke an, allerdings an einem anderen – für sie zufahrtstechnisch günstiger gelegeneren – Ort im Sektor El Padmi.

Die seit Oktober andauernden zivilgesellschaftlichen Proteste gegen die neoliberale Politik von Präsident Moreno umfassten auch Straßenblockaden, die die Belieferung und Abfahrt von Personal und Material zu und von der Mine Fruta del Norte behinderten. Die Produktionsmenge allerdings wurde bislang offenbar nicht beeinträchtigt.

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