Human Rights Watch kritisiert Vorgehen der Polizei bei Protesten in Kolumbien

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Die Kolumbianer demonstrierten viel in den letzten Monaten, mussten sich dabei aber auch viel mit Gewalt gegen sie auseinandersetzen
Die Kolumbianer demonstrierten viel in den letzten Monaten, mussten sich dabei aber auch viel mit Gewalt gegen sie auseinandersetzen

Bogotá. Die Nichtregierungsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) hat in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht den unverhältnismäßigen Gewalteinsatz der Polizei bei den Großdemonstrationen Ende vergangenen Jahres scharf kritisiert. So sei insbesondere in Bogotá und Cali übermässige Gewalt gegen Demonstrierende angewendet worden, so die US-amerikanische, international tätige Organisation.

Seit November 2019 sind mehrere landesweite Großdemonstrationen und Streiks durchgeführt worden. Gründe zu protestieren, gibt es in Kolumbien viele, unter anderem gegen die Steuerreform oder die anhaltenden Morde an Menschenrechtsverteidigern. All diese Manifestationen verliefen von Seiten der Demonstrierenden mehrheitlich friedlich, auch wenn es vereinzelt zu Beschädigungen öffentlicher und privater Infrastruktur kam oder zu Angriffen auf Sicherheitskräfte. In mehreren Fällen, so der Bericht von HRW, habe die Polizei friedliche Demonstranten, Passanten und bereits verhaftete Personen mit übermäßiger Gewalt behandelt, Schläge ausgeteilt sowie willkürliche Verhaftungen vorgenommen.

José Miguel Vivanco, Direktor für Amerika bei HRW, erklärte, dass "es wichtig ist, dass Präsident Duque klar Stellung nimmt und erklärt, dass für die Sicherstellung der öffentlichen Ordnung die Polizei nicht befugt ist, Menschenrechte zu verletzen, und Missbräuche nicht toleriert werden".

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Diese Aussage machte Vivanco nachdem seine Organisation zwischen November 2019 und Februar 2020 mit zahlreichen Opfern von Übergriffen, ihren Familienangehörigen und Menschenrechtsanwälten gesprochen und Auskünfte beim Verteidigungsministerium, bei der Generalstaatsanwaltschaft sowie bei der nationalen Kontrollbehörde eingeholt hat. Zudem wurden Videos, Informationen von Medizinern und Strafanzeigen ausgewertet.

Die Fälle der betroffenen Personen, die für den Bericht recherchiert wurden, zeugten von übermäßiger Gewalt, Schlägen und von willkürlichen Verhaftungen. Der wohl bekannteste Vorfall ist der Tod des 17-jährigen Dilan Cruz, der bei einem Angriff der Esmad, der Sonderheinheit zur Aufstandsbekämpfung, ums Leben kam.

Die Vereinten Nationen (UN) forderten in Person ihres Vertreters in Kolumbien, Alberto Brunori, Ende Februar den kolumbianischen Staat dazu auf, anlässlich der Präsentation des UN-Berichts über die Einhaltung der Menschenrechte in Kolumbien, umfangreiche, effektive und unabhängige Untersuchungen über die mutmaßliche übermäßige Gewalt der Esmad während der Proteste aufzunehmen.

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