Chile: Barrikaden und Demonstrationen zum "Tag des jungen Kämpfers"

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Demonstration in Independencia
"In der Aktion leben die Kämpfer:innen von gestern, heute und morgen". Demonstrationszug in der Juan Antonio Rios

Santiago et al. Am 29. März ist es in ganz Chile zu Demonstrationen gekommen. Anlass war der "Día del Joven Combatiente" – der "Tag des jungen Kämpfers". Die Polizei spricht von 128 Festnahmen und mehreren verbrannten Autos. In einem Vorort von Santiago wurde eine junge Frau tödlich angefahren.

In verschiedenen Städten und in Stadtteilen von Santiago wurden am Montagmorgen Barrikaden errichtet. Am Abend kam es an verschiedenen Orten zu kleinen Demonstrationen. Teilweise wurden diese von der Polizei angegriffen.

In der Siedlung Juan Antonio Rios im Norden der Hauptstadt fand eine kleine Demonstration statt. Die Sprecher:innen gedachten den ermordeten Aktivst:innen in Chile und insbesondere in der Siedlung. Sie erinnerten daran, dass mehrere Hundert Demonstrant:innen seit Monaten in Präventivhaft sitzen, eine Art der politischen Gefangenschaft. Der Demonstrationszug führte durch die Hauptstraße der Siedlung und endete an einem Platz, auf dem mehrere Gedenktafeln für ermordete Aktivist:innen stehen. Dort wurden Barrikaden errichtet und Kerzen angezündet. Nach mehreren Stunden tauchte die Polizei auf und feuerte Tränengasgranaten in die Menge, die sich daraufhin zerstreute.

In Lo Hermida, einem Viertel im Westen Santiagos, in dem zu diesem Datum immer große Demonstrationen organisiert werden, wurde aufgrund der Pandemie auf einen zentralen Akt verzichtet. Dennoch fanden sich Menschen zusammen und zündeten auch hier Kerzen an. Zudem wurden Barrikaden errichtet. Die Polizei griff mit Wasserwerfern, Tränengas und Räumpanzern ein. Es wurde über den Einsatz von Bleischrot berichtet.

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Gedenktafel Carlos Godoy
Gedenktafel für Carlos Godoy, Sozialist aus der Juan Antonio Rios. Er wurde im Februar 1985 durch die Polizei gefangen genommen, gefoltert und ermordet

In Colina, einer Vorstadt von Santiago, wurde währenddessen eine junge Frau tödlich angefahren. Nach ersten Informationen handelte es sich um ein Auto, dass über eine Barrikade fuhr und die Demonstrantin über zehn Meter mitschleppte. Die Frau starb im Krankenhaus, der Fahrer flüchtete und konnte entkommen.

Die Demonstrationen waren deutlich geringer in der Zahl als die Jahre zuvor. Dies ist wohl der Corona-Krise geschuldet: Seit Wochen steigen die Fallzahlen wieder und große Teile des Landes sind seit Samstag im Lockdown.

Die Regierung verurteilte gewohnheitsgemäß die Proteste und äußerte sich nicht zum Todesfall. Juan Francisco Galli, Subsekretär für Sicherheit, sprach von "kleinen Gruppen, die keine Norm respektieren". Dies sei um so tragischer, als dass sich das Land in einer sehr schwierigen epidemiologischen Lage befinde.

Alljährlich wird am "Día del Joven Combatiente" der von Polizei und Militär Getöteten gedacht. Ursprünglicher Anlass waren die Morde an den Brüdern Eduardo und Rafael Vergara Toledo, die am 29. März 1985 durch die Militärdiktatur umgebracht wurden.

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