Venezuela bittet UNO um Hilfe gegen Gewalt an Grenze zu Kolumbien

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Venezuelas Verteidigungsminister informiert über die Lage an der Grenze zu Kolumbien
Venezuelas Verteidigungsminister informiert über die Lage an der Grenze zu Kolumbien

Caracas. Venezuela hat die Vereinten Nationen (UN) aufgefordert, sich wegen der jüngsten Zusammenstöße mit "bewaffneten irregulären Gruppen" an der kolumbianischen Grenze einzuschalten. Der Verteidigungsminister des Landes, Vladimir Padrino López, teilte mit, dass drei Schreiben an UN-Generalsekretär Antonio Guterres, an den Präsidenten des Sicherheitsrates, Dang Dinh Quy, und an das Büro für Abrüstungsfragen geschickt wurden. Caracas bittet darin um Vermittlung mit den kolumbianischen Behörden sowie um eine internationale Untersuchung der "irregulären Gruppen", die im Grenzgebiet operieren.

Außerdem bat die venezolanische Regierung die UN um technische Hilfe, um Antipersonenminen zu entschärfen, die sich in der Grenzregion befinden.

Venezuelas Außenminister, Jorge Arreaza, beklagte in einer Rede, dass der Mangel an Sicherheit auf der kolumbianischen Seite der Grenze absolut sei: "Wir wissen nicht, wer dieses Gebiet kontrolliert, manchmal scheint es einer Guerillagruppe oder einer paramilitärischen Organisation oder einer anderen Gruppe zu gehören".

Der "gemeinsame Nenner des Konflikts" sei der Drogenhandel, der die Gesellschaft und die Regierung von Kolumbien durchdrungen habe. Seit den 1980er Jahren habe dieser das Nachbarland in rasantem Tempo erobert und sich zunehmend in den Institutionen, in der Gesellschaft und der Wirtschaft ausgebreitet, so Arreaza.

Venezuela werde beschuldigt, ein Narkostaat zu sein, während der Narkostaat, für den es unwiderlegbare Beweise gebe, der kolumbianische sei. Dort gebe es Kartelle und mächtige Strukturen des organisierten Verbrechens, kritisierte der Außenminister. Er wies auch darauf hin, dass in den Gebieten, in denen sich die kolumbianischen Stützpunkte unter der Obhut von US-Truppen befinden, die Drogen gepflanzt, verarbeitet und über den Pazifik verteilt würden.

Die Bitte Venezuelas an die Weltorganisation folgte auf einen Appell von mehr als 60 kolumbianischen und venezolanischen Nichtregierungsorganisationen an die UNO, einen Sonderbeauftragten für den Konflikt zu benennen, da sie Menschenrechtsverletzungen und Zwangsvertreibungen beobachteten. Ebenso gaben 30 venezolanische Menschenrechtsorganisationen letzte Woche eine Erklärung heraus, in der sie die "Aktionen bewaffneter illegaler Gruppen aus Kolumbien" verurteilten und die Achtung der Souveränität Venezuelas forderten. Die UNO hat bislang nicht auf die Aufrufe reagiert.

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Nach offiziellen Mitteilungen wurden bei den Zusammenstößen 33 Festnahmen vorgenommen, neun "Terroristen" seien ums Leben gekommen. Ebenso wurden 34 venezolanische Soldaten verletzt und acht starben, einige durch Explosionen von Landminen.

López kündigte die Schaffung einer "spezifischen und temporären" militärischen Sicherheitszone und Kommandozentrale an, um in der Region die "innere Ordnung, den Frieden und die Menschenrechte zu schützen".

Während der Militärchef das Eindringen der kolumbianischen Drogenindustrie nach Venezuela betonte, lobte er zwar die "kurzlebige und medienwirksame" Präsenz des kolumbianischen Militärs jenseits der Grenze in der vergangenen Woche, forderte Bogotá jedoch auf, seine Sicherheitsverpflichtungen ernster zu nehmen, bei der Kontrolle der Lage zu helfen und den Einsatz von Landminen zu verhindern.

Caracas brachte die noch nicht klar zugeordneten bewaffneten Kräfte schnell mit kolumbianischen Drogenkartellen in Verbindung. Eine Reihe von Analysten verwiesen jedoch auch auf verschiedene Guerilla-Fraktionen, die nach der Demobilisierung der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc-EP) entstanden sind. Manche griffen wieder zu den Waffen, nachdem sie der kolumbianischen Regierung vorwarfen, ihre Verpflichtungen im Friedensabkommen nicht zu erfüllen.

Letzte Woche behauptete die venezolanische Journalistin Erika Sanoja, dass eine "dissidente Farc-Gruppe, die jetzt [dem Guerilla-Kommandanten Miguel Santillana alias] Gentil Duarte folgt", in den Konflikt verwickelt sei. Sie deutete an, dass die Gruppe inzwischen als eine "Art US-Auftragnehmer" arbeite, belegte die Behauptung jedoch nicht.

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