Regierung in Guatemala präsentiert Plan für Bürgerkriegsopfer

Verbände fordern konkrete Schritte. Gedenken im ganzen Land. Ehemalige Paramilitärs demonstrierten am Vortag

angehoerige_opfer_buergerkrieg.jpg

Betroffende des Bürgerkrieg bei einer Ansprache nach dem Treffen mit Präsident Arévalo (Bildmitte Juan Pérez)
Betroffende des Bürgerkrieg bei einer Ansprache nach dem Treffen mit Präsident Arévalo (Bildmitte Juan Pérez)

Guatemala-Stadt. In Guatemala gibt es Bewegung in der Frage der Entschädigung von Opfern des Bürgerkrieges. Der Plan wurde am Tag der Würde der Opfer des internen Konfliktes am Mittwoch im Nationalpalast in Guatemala-Stadt vorgestellt. Das Dokument unter dem Titel "Plan zur Wiedergutmachung und Wahrung der Würde der Opfer des internen bewaffneten Konflikts in Guatemala 2026–2036" ist das Ergebnis eines zweijährigen Dialoges zwischen Opferverbänden und der Regierung Bernardo Arévalo, erklärte Juan Pérez Cedillo von der Plattform der Opfer des internen bewaffneten Konfliktes am Mittwoch gegenüber amerika21. Im Vorjahr war am Gedenktag am 25. Februar kein Gespräch zwischen hohen Regierungsvertretern und Opferverbänden zustande gekommen - Angehörige waren enttäuscht (amerika21 berichtete).

Pérez zeigt sich zufrieden mit der Vorstellung des Berichtes, mahnt aber auch konkrete Schritte an. "Arévalo muss die Abkommen umsetzen, tausende Angehörige von Opfern sind bereits gestorben, ohne je eine Entschuldigung des Staates oder eine Entschädigung bekommen zu haben", sagte er gegenüber amerika21.

Am Morgen erfolgte die offizielle Vorstellung des Berichtes im Beisein von Präsident Bernardo Arévalo, weiteren Regierungsvertretern und etwa 100 Angehörigen von Opfern im Nationalpalast. Vor dem Palast hatten sich einige Dutzend Menschen zu einem Gedenken mit Redebeiträgen eingefunden. Die geringe Teilnehmerzahl erklärt Pérez gegenüber amerika21 damit, dass im Land verschiedene dezentrale Aktivitäten stattfanden. "In acht Departamentos finden Gedenken statt, in den vergangenen Jahren haben wir zentral in die Hauptstadt mobilisiert".

erinnerung_emil_bustamente.jpg

Marylena Bustamente Ortiz erinnert an ihren Bruder Emil Bustamente, der am 13. Februar 1982 von der Armee verschleppt wurde
Marylena Bustamente Ortiz erinnert an ihren Bruder Emil Bustamente, der am 13. Februar 1982 von der Armee verschleppt wurde

Neben der indigenen Bevölkerung, die vor allem Ende der 1970er und Anfang der 1980er Opfer großangelegter Militäraktionen wurde, fielen während des Bürgerkrieges auch Hunderte politisch Aktive dem Terror staatlicher Stellen und paramilitärischer Organisationen zum Opfer. Einer von ihnen war der Tierarzt und Soziologe Dr. Emil Bustamente, der am 13. Februar 1982 von der Armee entführt wurde. An ihn erinnert bei dem Gedenken am Mittwoch seine Schwester Marylena Bustamente Ortiz. In einem zweiseitigen Text, den sie auf der Veranstaltung verteilte, hieß es: "Seine Verhaftung und sein Verschwinden hat seine Ursachen in den Aktivitäten an der San-Carlos-Universität, mit den politischen Ideen der Achtung des Rechtes und einer Gesellschaft, in der gemeinschaftliche Rechte vor den privaten Interessen stehen und den Ideen einer partizipativen Demokratie." Daher wurde die staatliche Universität damals von Seiten der Regierungen zu einem "Zentrum kommunistischer Formation" erklärt und in ein "Blutbad" verwandelt. Das letzte Lebenszeichen von Bustamente wurde am 23. März 1982 in der Militärkaserne Matamoros in Guatemala-Stadt dokumentiert, danach gehörte er "zu den tausenden Verschwundenen im Land", hieß es in dem Text. Abschließend aufgeklärt wurde der Fall bis heute nicht.

Im guatemaltekischen Bürgerkrieg zwischen 1960 und 1996 kamen mindestens 200.000 Menschen ums Leben, weitere 45.000 gelten als verschwunden. Am Vortag des Gedenkens hatten in der Hauptstadt einige hundert ehemalige Paramilitärs sowie ehemalige Armeeangehörige rund um den Präsidentenpalast protestiert. Den ehemaligen Angehörigen der Patrullas de Autodefensa Civil (PAC) wurde bereits im April 2025 eine monatliche Zahlung von 1.000 Quetzales (ca. 110 Euro) zugesprochen, befristet auf drei Jahre. Auf der Demonstration am Dienstag forderten die ehemaligen Paramilitärs eine Ausweitung der Zahlungen auf fünf Jahre.

Die PAC wurden zwischen 1981 und 1996 vor allem im Norden und Nordosten des Landes offiziell zur Bekämpfung der linken Guerillaorganisationen eingesetzt. Diese Regionen waren vom Bürgerkrieg besonders betroffen. Die Rekrutierung erfolgte in vielen Fällen zwangsweise. Den PAC werden Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung zur Last gelegt. Zu Höchstzeiten sollen bis zu einer Million Männer der Struktur angehört haben.