Venezuela

Streit um Fernsehsender eskaliert

Präsident Chávez droht mit Maßnahmen bei weiteren Manipulationen. TV-Direktor hofft auf ausländische Unterstützung

Caracas. Der Konflikt zwischen dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und dem oppositionellen Fernsehsender Globovisión eskaliert weiter. Am Sonntag drohte der Comandante der Bolivarianschen Revolution der Anstalt mit Maßnahmen, wenn diese erneut Falschmeldungen verbreiten würde. Der Globovisión-Präsident Alberto Federico Ravell konterte, in diesem Fall würden zwei kolumbianische TV-Sender - RCN und Caracol - die Lücke schliessen.

Auslöser für den erneuten Streit war die Berichterstattung von Globovisión über das Erdbeben, das Caracas am 4. Mai erschütterte. Unmittelbar nach den Erdstößen ging Ravell höchst persönlich auf Sendung, um die Meldung zu verbreiten. Seinen Auftritt nutzte er, um die Regierung harsch zu kritisieren und ihr Mißmanagement vorzuwerfen (amerika21.de berichtete). Chávez ging daraufhin am Sonntag in seiner Radio- und Fernsehsendung "Aló Presidente" zum Gegenangriff über. Ohne Ravell oder Globovisión namentlich zu nennen, sagte er: "Das mit diesem Spinner, der eine Kanone hat, hört auf oder ich werde nicht länger Hugo Rafael Chávez Frías heissen. Es reicht!" Der Präsident kündigte an, man werde alle juristischen Möglichkeiten ausnutzen, um Globovisión in die Schranken zu weisen.

Der Sender gehörte zu jenen privaten Medien, die 2002 zuerst den Putsch gegen Chávez medial mit vorbereitet und getragen hatten. Nach dem Scheitern des Staatsstreichs unterstützten sie Sabotageaktion gegen die Erdölindustrie im Dezember 2002, die als so genannter "Ölstreik" international bekannt wurde. Hinzu kamen etliche Berichte, die zum Aufruhr gegen die Regierung anstachelten und deren Politik wissentlich falsch darstellten. Aus diesem Grund hatte die Exekutive dem Sender RCTV 2007 die Lizenz für die terrestrische Ausstrahlung seines Programms nicht verlängert. Das könnte auch Globovisión drohen. Wegen seiner Skandalberichterstattung nennen ihn die Anhänger der bolivarianischen Revolution auch "Globo-Terror".

Der Sender ist Teil der antichavistischen Medienphalanx, zu der mit Venevisión auch das Unternehmensimperium des Chávez-Gegners Gustavo Cisneros zählt. Dieser gehört wie viele weitere lateinamerikanische Medienbesitzer der Sociedad Interamericana de Prensa (SIP) an. Die SIP ist ein Geschöpf der US-Außen- und Desinformationspolitik, um die Region medial zu beeinflussen. Ravell hofft, dass ihm eben diese Gruppe jetzt im Kampf gegen Chávez beisteht.

Im Gegenzug erhält das Staatsoberhaupt Schützendeckung von seinem ehemaligen Vizepräsidenten José Vicente Rangel. Der Journalist hat ein eigenes Programm "José Vicente Hoy" beim Privatsender Televen. In seiner Sendung am 10. Mai rief Rangel Staat und Gesellschaft auf, der Straflosigkeit der Medien bei ihren Falschmeldungen endlich ein Ende zu setzen. Des Weiteren führte er aus: "Die Usurpation von Funktionen durch die Medien, die wie politische Parteien funktionieren und es verneinen, die wie Pressure Groups operieren und es verneinen, deren Informationen und Leitartikel nicht von den (...) Journalisten kommen, sondern von ihren Besitzern (...), kann man nicht akzeptieren." 2014 muss Globovisión seine terrestrische Sendelizenz neu beantragen.

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