Gabriel Boric aus Chile diskutiert in Berlin über offene Gesellschaften

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Boric während seines Vortrages bei den Berliner Festspielen
Boric während seines Vortrages bei den Berliner Festspielen

Berlin. Der ehemalige chilenische Präsident Gabriel Boric Font nimmt in Deutschland am Musikfest Berlin- ehemalige Berliner Festspielwochen- teil. Boric warb für eine Politik der Hoffnung und plädierte dafür, die gesamte Bevölkerung einzubeziehen, unabhängig von ihrer parteipolitischen Orientierung. Wer die andere Seite ausschließe, könne keine demokratische Mehrheit gewinnen, sagte der ehemalige Präsident während seines Vortrages. 

Bei den von der Politikwissenschaftlerin Saba-Nur Cheema und dem Historiker Meron Mendel kuratierten Thementagen "Reflexes & Reflections" stand Ende August die Zukunft offener Gesellschaften in Zeiten geopolitischer Umbrüche im Mittelpunkt. Das Musikfest endet am 23. September.

Zu den Gästen der Thementage zählten unter anderem die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Columbia-Historiker Adam Tooze, die französische Philosophin Corine Pelluchon und Meredith Whittaker, Präsidentin der Signal-Foundation. Gemeinsam mit Pelluchon und Whittaker sprach Boric auf der Abschlussveranstaltung "Welches Wissen für die Zukunft".

Als Beispiel für langfristige Politik verwies der ehemalige Staatschef auf die Umweltpolitik seiner Regierung. Der gemäßigte Linkspolitiker hatte Chile von 2022 bis Anfang 2026 regiert. Der Schutz von mehr als 30 Naturgebieten zeige, dass Klimaschutz nicht bei politischen Absichtserklärungen stehen bleiben dürfe, sondern sich in konkretem Handeln ausdrücken müsse. Im Dialog mit Pelluchon unterstrich er die Verantwortung, natürliche Lebensgrundlagen für künftige Generationen zu bewahren.

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Mit Blick auf künstliche Intelligenz griff Boric Whittakers Warnungen vor algorithmischen Machtstrukturen auf. Die Entwicklung von KI sei keine rein technische, sondern vor allem eine politische, moralische und philosophische Frage. Gesellschaften, deren Bürger von Algorithmen abhängig würden, liefen Gefahr, ihre demokratische Selbstbestimmung zu verlieren.

Ausführlich sprach Boric auch über den Aufstieg autoritärer Politik. Autoritarismus liefere einfache Antworten auf komplexe Probleme, konstruiere Feindbilder und nutze Angst als wirksamste politische Waffe. Zugleich kritisierte er die vierjährigen Amtszeiten in Chile, die langfristige Reformprojekte erschwerten, weil nach Regierungswechseln erreichte Fortschritte wieder rückgängig gemacht werden könnten. Trotz dieser Rückschläge müsse die Hoffnung auf gesellschaftlichen Fortschritt erhalten bleiben. Zwar sei er kein Freund der chinesischen Regierungsform, dennoch müsse man deren Erfolge anerkennen.

Auch außenpolitisch bezog Boric in Berlin klar Stellung. Er kritisierte sowohl die extremen Positionen der USA als auch den autoritären Regierungsstil des von den USA entführten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Zugleich verurteilte er den Genozid an der palästinensischen Bevölkerung durch Israel sowie die extremistische Politik der israelischen Regierung, übte aber ebenso scharfe Kritik an der Hamas.

Es ist der zweite Deutschlandbesuch von Boric seit dem Ende seiner Präsidentschaft. Bereits im Mai hatte er am "Global Forum for Cooperation Berlin 2026" der Heinrich-Böll-Stiftung teilgenommen und dort betont, die Klimakrise verursache enorme wirtschaftliche und soziale Kosten, die progressive Kräfte klar benennen müssten. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine habe zudem gezeigt, wie globale Konflikte Inflation und Lebenshaltungskosten selbst am anderen Ende der Welt verschärften. Chiles Antwort sei ein handlungsfähiger Staat gewesen, der die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen schütze.