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Boric ruft in Chile wegen Waldbränden den Katastrophenfall aus

Weite Teile Zentral- und Südchiles brennen seit Wochen. Regionen Biobío und Ñuble besonders betroffen. 20 Tote, über 1.500 Verletzte und mehr als 50.000 Evakuierte

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Helfer zusammen mit Chiles Präsident Gabriel Boric in der von Waldbränden betroffenden Region
Helfer zusammen mit Chiles Präsident Gabriel Boric in der von Waldbränden betroffenden Region

Santiago. Seit mehreren Wochen stehen weite Teile Zentral- und Südchiles in Flammen. Besonders betroffen sind die Regionen Biobío und Ñuble. Dort brachen am 16. und 17. Januar zahlreiche Feuer nahezu gleichzeitig aus. Dabei starben 20 Personen und mehr als 1.500 Menschen wurden verletzt. Zudem mussten über 50.000 Bewohner evakuiert werden. Präsident Gabriel Boric rief den Katastrophenfall aus.

Aktuellen Berichten der Nationalen Forstbehörde (CONAF) zufolge sind von den insgesamt 71 Waldbränden derzeit zwölf unter Beobachtung und 58 unter Kontrolle. Experten zufolge liegt die Anzahl der Brände im normalen Bereich für die Waldbrandsaison, die Größe der zerstörten Fläche ist jedoch besorgniserregend. "Wir erleben eine besonders kritische Situation, die weit von den üblichen Durchschnittswerten entfernt ist, die normalerweise in Waldbrandsaisons zu beobachten sind", sagte Miguel Castillo, Direktor des Labors für Waldbrandtechnik an der Universität von Chile gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Seit Jahresbeginn wurden über 50.000 Hektar durch Brände zerstört.

Auch wenn die Ermittlungen über die genauen Brandursachen noch andauern, sind sich die Experten einig, dass eine überwiegende Mehrheit der Feuer auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist – sei es fahrlässig oder vorsätzlich. Weitere Brände entstehen durch Stromleitungen. Die Sicherheitsbehörden melden, dass bei den jüngsten Bränden 30 Personen festgenommen wurden. Damit stieg die Zahl der Verhaftungen seit Beginn der Waldbrandsaison auf über 350.

Neben den menschlichen Ursachen spielen witterungsbedingte Faktoren eine zentrale Rolle. Diese erhöhen das Risiko und die Schwere der Brände. Extreme Hitze bei Temperaturen von weit über 30 Grad, niedrige Luftfeuchtigkeit und starke Winde begünstigten die schnelle Ausbreitung des Feuers.

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Bei einem Besuch in der Region Ñuble forderte Präsident Boric den Kongress auf, das sogenannte "Brandgesetz" zu beschließen. Mit dem im Oktober 2023 von der Regierung eingebrachten Gesetzesentwurf sollen demnach "neue Instrumente geschaffen und die bestehenden verstärkt werden, um das Risiko von Wald- und Landbränden auf dem Staatsgebiet zu verringern".

Der Entwurf befindet sich aktuell im Finanzausschuss des Senats. Er sieht unter anderem die Errichtung von Puffer bzw. Übergangszonen zwischen ländlichen Gebieten und Städten vor. Darüber hinaus soll der Nationale Forstdienst eine nationale Waldbrandrisikoanalyse herausgeben, auf deren Grundlage die Erschließung und Bewirtschaftung von Forstplantagen geregelt wird. Verstöße gegen das Gesetz sollen mit Geldstrafen von umgerechnet bis zu 336.000 Euro geahndet werden.

In den letzten Tagen kam es in den betroffenen Regionen teilweise zu Entspannungen, ausgelöst durch Regenfälle und einen leichten Rückgang der Temperaturen. Die Gefahr ist allerdings noch nicht gebannt. Viele Gebiete leiden weiterhin unter Hitze und Trockenheit. Gleichzeitig führen die Regenfälle und Stürme zu neuen Problemen. Der durch die Waldbrände geschädigte Boden kann das Wasser nicht aufnehmen, wodurch die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen steigt. Dr. Ianire Galilea Salvador, Geologin an der Universität von Concepción, warnt vor einer möglichen "Hydrophobie". "Das ist der Fall, wenn ein Feuer mit einer Temperatur von 270 bis 300 Grad brennt und die organische Substanz verbrennt. Einige organische Verbindungen in der Vegetation bilden dann eine abweisende, wachsartige Schicht, die das Eindringen von Wasser in den Unterboden verhindert", so die Expertin gegenüber CNN.

Auch in Argentinien kam es zu schweren Waldbränden, vor allem in der an Chile grenzenden Region Patagonien (amerika21 berichtete). Obwohl die Brände zeitlich nah beieinander liegen, gibt es keine Anzeichen für einen Zusammenhang zwischen den chilenischen und argentinischen Waldbränden. Beide Regionen haben jedoch ähnliche klimatische Bedingungen wie Trockenheit und Hitze, die die Feuer begünstigen.