Ex-Geheimdienstoffizier der argentinischen Diktatur verhaftet

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Fahndungsplakat:  Ricardo Luis Von Kyaw wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht
Fahndungsplakat: Ricardo Luis Von Kyaw wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht

Panama-Stadt. Der frühere argentinische Geheimdienstoffizier Ricardo Luis Von Kyaw ist in Panama verhaftet worden. Er wird für das Verschwindenlassen von 137 Menschen während der Diktatur in Argentinien verantwortlich gemacht. Die Festnahme wurde durch die Zusammenarbeit von Interpol und der Bundespolizei Argentiniens (PFA) ermöglicht. Dies berichtete die Zeitung Pagina12 am vergangenen Montag. Der heute 66-jährige war Mitglied des Kommandos 101 des Militärgeheimdienstes und wurde unter anderem wegen Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit zwischen 1976 und 1978 in einem Geheimgefängnis in der Provinz Buenos Aires gesucht.

Laut einer Erklärung des argentinischen Ministeriums für Sicherheit wurde Von Kyaw am 19. Juni in Panama festgenommen und am vergangenen Montag nach Argentinien ausgeliefert. Er befinde sich nun in einem Gefängnis in Buenos Aires. Von Kyaw habe "zahlreiche Strategien eingesetzt", um einer Festnahme zu entgehen. Unter anderem besaß er bei seiner Einreise in Panama einen paraguayischen Pass, in dem er als Deutscher firmierte, der in Paraguay eingebürgert war. Er war seit März 2010 auf der Flucht - dem Tag, an dem die argentinische Justiz Haftbefehl gegen ihn erließ.

Am Mittwoch nächster Woche soll sich Von Kyaw erstmals vor Gericht zu Verbrechen äußern, die in "La Cacha" begangen wurden. Dieses Geheimgefängnis und Folterzentrum befand sich in Olmos, zirka 70 Kilomteter südlich der argentinischen Hauptstadt.

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Ihm wird außerdem eine Verwicklung in den Raub von Kindern vorgeworfen, so im Fall von Sebastián Casado Tasca, der im Jahr 1978 während der Gefangenschaft seiner Mutter, Adriana Leonor Tasca, geboren wurde. Sie war Ende 1977, im fünften Monat der Schwangerschaft, entführt und nach La Cacha verschleppt worden. Sebastián Casado Tasca wuchs in der Familie eines Militärs auf und kam seiner wahren Identität auf die Spur, als er im Jahr 2005 zufällig im Internet auf Fotos seiner Eltern stieß. Daraufhin nahm er Kontakt zur Organisation der Großmütter von der Plaza de Mayo auf. DNA-Analysen bestätigten seine Herkunft. Seine Mutter Adriana wurde ebenso wie sein Vater, Gaspar Casado, ermordet. Beide gelten als Verschwundene.

Während der Militärdiktatur in Argentinien wurden zwischen 1976 und 1983 nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen etwa 30.000 Menschen umgebracht oder verschwanden nach ihrer Entführung durch Polizei und Militär.

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