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13 Morde an Aktivisten in Kolumbien seit Unterzeichnung des Friedensabkommens

Ein Wandbild in Kolumbien verweist auf die Opfer des Konfliktes und fordert "Frieden mit sozialer Gerechtigkeit"

Ein Wandbild in Kolumbien verweist auf die Opfer des Konfliktes und fordert "Frieden mit sozialer Gerechtigkeit"

Quelle: facebook.com

Cali, Kolumbien. Laut der Ombudsstelle für Menschenrechte der kolumbianischen Regierung sind bereits in den 18 Tagen nach Abschluss der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) in Havanna 13 Aktivisten aus Menschenrechtsgruppen und der Umweltbewegung ermordet worden.

Die sozialen Bewegungen machen Paramilitärs für diese Morde zwischen dem 26. August und dem 13. September verantwortlich. Die berichten von einer starken Zunahme der Bedrohungen und der Gewalt seitens dieser rechten und ultrarechten Gruppen. Die Morde an oppositionellen Aktivisten schafften eine Atmosphäre der Angst und Unsicherheit, heißt es von dieser Seite.

Carlos Andrés Guevara, Koordinator der Menschenrechtsorganisation "Somos Defensores", erläuterte gegenüber der Wochenzeitschrift Semana: "Bereits im Vorfeld der Unterschrift, haben wir eine Verschärfung des sozialen Konflikts und eine Zunahme dieser Art von Gewalt befürchtet." Laut Guevara folgen diese Morde einem eindeutigen Muster: Alle Opfer sind Sprecher der sozialen Bewegungen, setzen sich für den Friedensprozess ein, sind Umweltschützer und widersetzen sich dem Bergbau sowie dem Anbau illegaler Substanzen. Von den Morden waren vor allem auch Frauen und Indigene betroffen. Drei der Getöteten waren Frauen. Guevara vergleicht die aktuellen Geschehnisse mit Postkonfliktsituationen in anderen lateinamerikanischen Ländern. Eine Parallele sei, dass die einfache Landbevölkerung, Sprecher von lokalen und wenig sichtbaren Organisationen zu Opfern der staatlichen und paramilitärischen Repression werden.

Vize-Innenminister Guillermo Rivera gibt sich ebenfalls alarmiert von den Zahlen. Er machte die zweitgrößte Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) für einige der Morde verantwortlich, verschwieg aber, dass für mindestens einen der Morde Soldaten verantwortlich sind.

Obwohl im Friedensprozess zwischen der Regierung und der Farc in Havanna auch Garantien für die Sicherheit der politischen Opposition vereinbart worden sind, hat bisher keine zuständige staatliche Stelle die Arbeit aufgenommen. Humberto de la Calle, Hauptverhandler der Regierung in Havanna, behauptete auf einer öffentlichen Veranstaltung in Cali, dass bereits Ermittlungen in den Mordfällen eingeleitet worden seien. Jedoch wurden bisher in keinem Fall Ergebnisse bekanntgegeben. Rivera verkündete das Inkrafttreten der "Hochkommission für die Garantie der Sicherheit für politische Partizipation" am Montag. Laut Schätzungen wurden alleine im laufenden Jahr 2016 bereits 51 Aktivisten ermordet.

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