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Regierung und Farc starten Initiative gegen Drogenanbau in Kolumbien

Finanzielle Anreize und Beratung sollen rund 50.000 Hektar neuer Nutzung zuführen. Überprüfung von Landbesitz soll geregelt werden. Streit um Einsatz von Glyphosat
Koka-Anpflanzungen in Südamerika

Koka-Anpflanzungen in Südamerika: In Kolumbien sorgen sie auch nach dem Friedensabkommen zwischen Regierung und Farc-Rebellen für Streit

Bogotá. In Kolumbien haben Vertreter von Regierung und der Rebellenorganisation Farc ein landesweites Programm zur Rückdrängung des illegalen Drogenanbaus vorgestellt. Der Nationale Plan zur Substitution illegalen Anbaus wurde von Rafael Pardo, dem Hohen Berater für Konfliktnachbereitung, Menschenrechte und Sicherheit, sowie dem Guerilla-Kommandanten Félix Muñoz alias "Pastor Alape" präsentiert. Beide Seiten werden damit dem vierten Punkt des Friedensabkommens gerecht, das in der kubanischen Hauptstadt Havanna nach mehrjährigen Verhandlungen erreicht worden war.

Das Ziel besteht darin, im ersten Jahr des Projekts rund 50.000 Hektar mit illegalen Koka-Pflanzen durch legale, nachhaltige Bepflanzung zu ersetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst mehr als 40 Landkreise, in denen etwa die Hälfte des landesweiten Drogenanbaus stattfindet. Die Regierung stellt Gelder und landwirtschaftliche Berater bereit, während den Farc laut Kommandant Muñoz die Verantwortung zukommt, den Plan zu unterstützen und für seine Umsetzung zu werben. Die Rolle der Rebellen soll Beleg für ihre Unterstützung einer endgültigen Lösung des Drogenproblems sein.

Zugang zur Förderung haben all jene, die nach dem 10. Juni 2016 keine illegalen Bepflanzungen mehr vorgenommen haben. Zudem müssen sich die Beteiligten zum freiwilligen Koka-Ersatz bekennen. Das bedeutet den Verzicht auf eine neue Aussaat, Kultivierung oder gar Weiterverarbeitung der verbotenen Pflanze.

Im Rahmen des Programms sollen Bodenbesitzansprüche in den entlegenen Gebieten formalisiert werden. Zu diesem Zweck hat die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos die "Agentur für Besitzneuverteilung" gegründet. Sie soll landesweit ein Kataster erstellen. Dabei müssen die Eigentümer, Besitzer, Pächter und Besetzer von Landparzellen festgestellt werden, um bestehende oder neue Besitzansprüche zu überprüfen. Zudem sollen Bauern Parzellen aus staatlichem Besitz erhalten. Ende Februar sollen sich nach Angaben kolumbianischer Medien rund 55.000 Familien zum freiwilligen Verzicht auf Koka-Bepflanzung bereit erklärt haben.

Die erstmalige staatliche Kontrolle von Besitztiteln hat indes Widerstand von Agrar-Konzernen und Großgrundbesitzern provoziert, die ihren Landbesitz auch nach Vertreibungen der Bevölkerung durch Paramilitärs erweitert haben. Gefährdet sind nun Bauern,  die ihren früheren Besitz einklagen. Sie müssten besonders geschützt werden, hieß es vor Ort.

Die Beseitigung von Koka-Pflanzen hat in Kolumbien erhebliche Konflikte provoziert. Die Besprühungen weiter Gebiete mit dem als krebserzeugend bekannten Herbizides Glyphosat aus der Luft war vom kolumbianischen Verfassungsgericht verboten worden, weil Wasserläufe und Anbauflächen dadurch auch für alternative Pflanzungen weitgehend unbrauchbar gemacht wurden. Die manuelle Besprühung wurde von Präsident Santos jedoch im Januar 2017 erlaubt. Die Bauern, die sich für die Ersatzprogramme angemeldet haben, protestieren auch gegen diese Vorgehensweise, die vorwiegend im Catatumbo, Nariño und Putumayo vom Militär praktiziert wird. Die Armee kümmere sich nicht darum, ob die Zonen für das Ersatzprogramm vorgesehen sind, heißt es seitens der Kleinbauern. César Jerez, der Koordinator landwirtschaftlicher Schutzgebiete, sagte, dass die Koka-Bekämpfung mit Glyphosat dem Friedensabkommen zuwiderlaufe.

Die Europäische Union hatte bereits im Jahr 2012 rund 70 Millionen Euro für die landwirtschaftliche Entwicklung an Kolumbien überwiesen. Im März 2016 wurden erneut 70 Millionen aus dem Europäischen Entwicklungsfonds für den Friedensprozess freigegeben. Die Entwicklung der Landwirtschaft soll dabei ein Schwerpunkt bilden.

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