Bauernaktivisten in Venezuela ermordet

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Luis Fajardo (Bildmitte) und sein Schwager Javier Aldana, Bauernaktivisten und Kommunisten, sind in Venezuela ermordet worden
Luis Fajardo (Bildmitte) und sein Schwager Javier Aldana, Bauernaktivisten und Kommunisten, sind in Venezuela ermordet worden

Mérida. Luis Fajardo und Javier Aldana, Bauernführer und Mitglieder der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV), sind am Mittwoch in Nueva Bolivia im Bundesstaat Mérida ermordet worden. Beide waren aktiv an Landkämpfen in der Region Sur del Lago im Westen des Landes beteiligt. Fajardo war zudem Mitglied des Zentralkomitees der KP Venezuela.

Aus einer Pressemitteilung von PCV-Generalsekretär Oscar Figuera geht hervor, dass Fajardo und sein Schwager Aldana mit einem Motorrad auf dem Heimweg waren, als sie aus einem vorbeifahrenden Auto beschossen und dabei getötet wurden. "Wir machen die Großgrundbesitzer des Sur de Lago, Mitglieder der Nationalgarde und korrupte Politiker, die ihn öffentlich bedroht haben, für die Ermordung unseres Genossen verantwortlich", heißt es in der Erklärung.

Zahlreiche Organisationen in Venezuela wie auch Mitglieder der regierenden Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) haben die Morde verurteilt und ihr Beileid ausgesprochen.

Die PCV-Regionalorganisation in Mérida äußerte sich am Donnerstag ebenfalls und erinnerte daran, dass die Aktivitäten von Fajardo und Aldana zur Verteidigung der Bauernrechte sie zu einem Angriffsziel für Großgrundbesitzer gemacht hatten. Fajardo habe mehrfach die Todesdrohungen gegen sich und seine Familie öffentlich gemacht, dies sei jedoch von den Behörden ignoriert worden. Die Partei forderte Präsident Nicolás Maduro und Generalstaatsanwalt Tarek William Saab auf, in diesem Fall für Gerechtigkeit zu sorgen.

Der Vorfall ereignet sich nur wenige Wochen nach einem Attentatsversuch gegen den im Teilstaat Barinas lebenden PCV-Bauernführer Robinson Garcia, der am 9. Oktober von mehreren Motorradfahrern beschossen wurde, sich aber retten konnte.

Nueva Bolivia liegt in der Region Sur del Lago südlich des Maracaibo-Sees, der sich entlang der Bundesstaaten Mérida und Zulia erstreckt. Fajardo vertrat die Ansprüche von rund 250 Kleinbauernfamilien auf der Cano-Rico-Farm im Verwaltungsbezirk Sucre von Zulia, die von ihnen besetzt und genutzt wird, während sie auf die offizielle Übergabe des Landes warten.

In dieser Region hat es einige der intensivsten Landkämpfe von Kleinbauern gegeben, auf die Großgrundbesitzer mit tödlicher Gewalt reagiert haben, oft in Form von paramilitärischem Terror. Im vergangenen Juli legten die Teilnehmer eines Bauernmarsches (Amerika21 berichtete), der mehr als 400 Kilometer zu Fuß zurücklegte, um ein Treffen mit Präsident Maduro durchzusetzen, mehrere Beschwerden aus dem Sur del Lago vor.

Eines der jüngsten Beispiele für die Gewalt gegen Bauern in der Region war der Mord an dem 15-jährigen Kender Garcia am 19. September, Sohn des Bauernführers Adelis García.

Die PCV hat ebenfalls immer wieder auf die Gewalt auf dem Land aufmerksam gemacht und den Behörden eine Mitschuld wegen Untätigkeit vorgeworfen.

Anfang dieses Monats hatte Figuera ein dringendes Treffen mit Präsident Maduro gefordert. Vor den Präsidentschaftswahlen am 20. Mai hatten die PSUV und die PCV ein Wahlabkommen unterzeichnet. Figuera beschuldigte die Regierung, keinen der vereinbarten Punkte zu erfüllen, darunter die Forderungen der Bauern und die Beendigung der gewaltsamen Vertreibungen und gezielten Morde auf dem Land.

Redigiert von Lucas Koerner aus Caracas und mit Beteiligung von Paul Dobson aus Mérida.

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