Ecuador: Generalstaatsanwältin räumt Mangel an Beweisen im Fall Glas ein

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In Ecuador hätten einige gerne ein schweres Urteil gegen Jorge Glas gesehen. Es habe aber nicht ausreichend Beweise gegeben, erklärte nun die neue Generalstaatsanwältin Diana Salazar.
In Ecuador hätten einige gerne ein schweres Urteil gegen Jorge Glas gesehen. Es habe aber nicht ausreichend Beweise gegeben, erklärte nun die neue Generalstaatsanwältin Diana Salazar.

Quito. Die neue ecuadorianische Generalstaatsanwältin Diana Salazar hat in einem Fernsehinterview eingeräumt, dass es für die umstrittene Verurteilung des ehemaligen Vize-Präsidenten Jorge Glas keine ausreichenden Beweise gab. Gegen Glas wurden schwerere Vorwürfe der Geldwäsche und der Bestechung erhoben. Er wurde im Dezember 2017 in Verbindung mit dem Korruptionsskandal um den brasilianischen Bauunternehmer Odebrecht wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Derweil drohte Präsident Lenín Moreno seinem Amtsvorgänger Rafael Correa, er werde bei seiner Rückkehr nach Ecuador im Gefängnis enden.

Salazar erklärte am Dienstag im Fernsehkanal Uno, man hätte Glas damals gerne für schwerere Vergehen und damit für längere Zeit verurteilt. Jedoch musste man der dünnen Beweislage Rechnung tragen. Auf die Frage, weshalb er nicht für Geldwäsche oder Bestechung verurteilt wurde, antwortete sie: "Um eine illegale Vereinigung nachzuweisen, brauchen wir weniger Elemente als bei der Strafverfolgung anderer Kriminaldelikte".

Salazar war 2017 bei der Anti-Korruptionseinheit der Generalstaatsanwaltschaft und in dieser Funktion an den Ermittlungen gegen Glas beteiligt. Am 21. August 2017 hatte sie zehn Indizien für den Prozess gegen Glas vorgelegt.

Kritiker äußerten in vergangener Zeit immer wieder, dass der Prozess damals politisch motiviert war. Glas war noch mit Moreno gemeinsam als dessen Vize-Präsident im April 2017 gewählt worden. Moreno brach aber nur kurze Zeit später mit ihm. Die Justiz trug Beweise zusammen, um Glas Verbindungen zu Odebrecht nachzuweisen. Diese führten dann zu seiner Verurteilung.

Ende vergangenen Jahres hatte Glas mit einem mehrwöchigen Hungerstreik gegen seine Haftbedingungen im Hochsicherheitsgefängnis in Latacunga demonstriert. Die dortigen Bedingungen und die Auswirkungen auf seine Gesundheit sind damals auch vom Roten Kreuz kritisiert worden.

In einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC äußerte sich Moreno in diesen Tagen auch zu seinem Vorgänger Correa. "Er wird ins Gefängnis gehen. Dort gehört er hin", so der amtierende Präsident. Gegen Correa war vergangenes Jahr Untersuchungshaft angeordnet worden. Ihm wird vorgeworfen, an der Entführung eines Abgeordneten in Kolumbien im Jahr 2012 beteiligt gewesen zu sein. Er wohnt seit zwei Jahren in Belgien, der Heimat seiner Ehefrau. Interpol weigerte sich nach Prüfung des Falls, Correa auf Antrag der ecuadorianischen Regierung festzunehmen. Ihm droht aber bei der Rückkehr nach Ecuador die sofortige Festnahme.

Gegen Moreno selbst laufen seit kurzem auch Ermittlungen wegen Korruption und der Verbindung zu einer Offshore-Firma.

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