Kolumbien / Politik / Militär

Attacken der ELN und mögliche Allianz mit Farc-EP in Kolumbien

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Das Titelbild der gestern veröffentlichten ELN-Zeitschrift zeigt die Farc-EP: "Willen zum Kampf und Hoffnung auf Frieden"
Das Titelbild der gestern veröffentlichten ELN-Zeitschrift zeigt die Farc-EP: "Willen zum Kampf und Hoffnung auf Frieden"

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Nach eigenen Angaben ist die ELN in den markierten Gebieten aktiv. In vielen der Regionen waren auch Farc-EP Einheiten aktiv.
Nach eigenen Angaben ist die ELN in den markierten Gebieten aktiv. In vielen der Regionen waren auch Farc-EP Einheiten aktiv.

Bogotá. Während in sozialen Netzwerken über die Neugründung und Wiederbewaffnung der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens ( Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo, Farc-EP) diskutiert wird, kommt es zu massiven militärischen Auseinandersetzungen mit den Rebellen der Nationalen Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN).

Bei Schusswechseln zwischen ELN und der kolumbianischen Armee sind in der Region Arauca ein Guerilla-Kämpfer und ein Soldat ums Leben gekommen. Weitere vier Soldaten wurden verletzt. Die Armee hatte ELN-Stellungen zudem bombardiert. In Norte de Santander wurden ebenfalls Konfrontationen gemeldet, mehrere verletzte Soldaten wurden in Hubschraubern in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht. Im Chocó hat die ELN einen Kandidaten der Liberalen Partei für das Amt des Bürgermeisters entführt. Tulio Mosquera Asprilla wurde mit weiteren zwölf Personen einige Tage lang von der Guerilla festgehalten. Mittlerweile seien alle Entführten wieder frei, hieß es in kolumbianischen Medien.

Nach eigenen Angaben hatte die ELN allein im Juli 111 Angriffe ausgeführt, darunter Sabotageaktionen gegen Infrastrukturen von multinationalen Konzernen sowie gegen Militäreinrichtungen. Dabei haben sie zwei Hubschrauber unter ihre Kontrolle gebracht. Insgesamt seien dabei 48 Militärs und elf Polizisten umgekommen sowie 59 Militärs, 20 Polizisten und zwei Paramilitärs verwundet worden.

In der gestern erschienenen Ausgabe der Zeitschrift des Zentralkommandos der ELN heißt es: "Ein Teil der Farc ist nicht in den Krieg zurück gegangen, sondern wird sich lediglich wieder verteidigen, der Krieg gegen sie war niemals vorbei."

Am Wochenende hatte Farc-EP-Mitglied Jesús Santrich eine mögliche Allianz mit der ELN in Aussicht gestellt. Der ELN-Kommandant alias "Comandante Uriel" hat darauf über seinen Twitter-Account reagiert: "Wenn die legalen Wege der Transformation einer Gesellschaft versperrt sind, ist der bewaffnete Widerstand eine legitime Alternative." Er begrüßte, dass sich die ehemaligen Farc-Guerilleros wieder dem bewaffneten Widerstand angeschlossen haben und bestätigte, dass "die Reihen für sie offen stehen". Das wäre das erste Mal in der Geschichte Kolumbiens, dass Farc-Mitglieder und ELN sich zusammenschließen. Kurz nach diesen Äußerungen war die Homepage der neu gegründeten Gruppe www.farc-ep.info offline. Auch die Twitter-Konten der Verhandlungsgruppe der ELN, von Comandante Uriel sowie einiger Mitglieder der Farc-EP wurden gesperrt.

Der Hochkommissar für den Frieden in Kolumbien, Miguel Ceballos, kommentierte derweil die Rede von Márquez im ersten Video: "Die Tatsache, dass der Leiter der Verhandlungen in Havanna sich nun mit der ELN vereinen will, ist ein Zeichen militärischer und strategischer Schwäche. Er steht ziemlich alleine da."

In der vergangenen Woche hatte eine Gruppe von Farc-Dissidenten die Gründung der "neuen Guerilla" in einem Video bekannt gegeben, in dem Iván Márquez, der ehemalige zweithöchste Kommandant der Farc-Guerilla ein Manifest verlas. Die Aufzeichnung ist bei Youtube inzwischen gesperrt. Am Wochenende hatte die Farc-EP  beim Nachrichtenportal Sputnik News ein weiteres Video veröffentlicht, in dem Jésus Santrich spricht, umgeben von einer Gruppe Bewaffneter, darunter mehrere Frauen.

Die Botschaft des Videos beinhaltet vor allem den Aufruf zu einer verfassungsgebenden Versammlung. Der Weg zum Frieden führe laut Santrich nur über die Beteiligung aller politischer Strömungen des Landes.

Präsident Iván Duque hat die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung abgelehnt. Dies bekräftigte er zuletzt am Wochenende in Medellín. Er ruft dagegen die Bevölkerung auf, Informationen über Mitglieder der Farc-EP zu liefern und vespricht hohe Belohnungen für sachdienliche Hinweise. Zudem hat er ein Kopfgeld für jede Person in den beiden Videos ausgesetzt.

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