Ecuador: Soziale Organisationen fordern Freilassung von Ex-Vizepräsident Jorge Glas

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Der ehemalige Vizepräsident von Ecuador, Jorge Glas, muss eine Haftstrafe von insgesamt 25 Jahren befürchten
Der ehemalige Vizepräsident von Ecuador, Jorge Glas, muss eine Haftstrafe von insgesamt 25 Jahren befürchten

Quito. Vertreter sozialer Organisationen haben vergangene Woche erneut für die Freilassung des sich Haft sitzenden ehemaligen Vizepräsidenten, Jorge Glas, demonstriert. Erst Anfang letzter Woche war Glas die von seiner Verteidigung beantragte Vereinheitlichung seiner Strafen verwehrt worden. Ihm droht damit eine Haftstrafe von insgesamt 25 Jahren.

Demonstrierende zogen am Samstag durch die Hauptstadt Quito, um schließlich vor dem Büro der Vereinten Nationen ihre Solidarität mit dem linken Politiker zum Ausdruck zu bringen.

Glas sitzt bereits seit Oktober 2017 in Haft. Er hatte sich damals in der Hoffnung auf ein faires Verfahren den Behörden gestellt, nachdem er mit dem Korruptionsskandal rund um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht in Verbindung gebracht worden war. Verurteilt wurde er nicht nur wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung, sondern auch wegen vermeintlicher Bestechlichkeit sowie aufgrund vermeintlicher Korruption bei der Vergabe des Ölfelds Singue.

Seine Verteidigung, soziale Organisationen und unabhängige Expert:innen weisen seit Jahren auf zahlreiche Unregelmäßigkeiten in den Strafverfahren gegen ihn hin. Ecuadors ehemaliger Präsident Rafael Correa bezeichnete seinen langjährigen Weggefährten als "wahrhaftiges Symbol" für die von Lenín Moreno gegen Anhänger der linken Bewegung Revolución Ciudadana geführte politische Verfolgung. Während angeblich von Odebrecht erhaltene Schmiergelder in Höhe von 13,5 Millionen US-Dollar im Zentrum der Anschuldigungen gegen Glas stehen, wurden weder gegen den Konzern noch seine Manager in Ecuador Anklage erhoben.

Rechte Privatmedien hatten Glas bereits seit Oktober 2016 der Korruption bezichtigt. Nach dem Wahlsieg der Regierungspartei Allianza Pais im April 2017 kam es schnell zu Konflikten innerhalb des Regierungslagers. Moreno selbst gab den Gegnern der Bürgerrevolution implizit recht und inszenierte sich als Kämpfer gegen Korruption, während er die Nähe zu rechten Oppositionsparteien und Unternehmerverbänden suchte.

In einem offenen Brief warnte Glas am 2. August 2017 vor dem wirtschaftspolitischen Kurswechsel der Regierung Moreno. Dieser Kurswechsel war bereits wenig später nicht mehr zu übersehen. Er könne nicht schweigen, wenn ein Szenario der institutionalisierten Korruption geschaffen werde, so Glas. Moreno nutzte die Gelegenheit und entzog Glas kurze Zeit später seine bis dahin ausgeübten Aufgaben als Vizepräsident.

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