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11.03.2008 Amerikas

"Präzedenzfall der Solidarität"

Bilanz der Staatskrise in Südamerika: Venezolanischer Parlamentsabgeordneter Darío Vivas im Gespräch mit amerika21.de
"Präzedenzfall der Solidarität"

"Präzedenzfall der Solidarität"

Caracas. Wenige Tage nach dem Ende der Krise zwischen Kolumbien, Venezuela und Ecuador ziehen die Beteiligten auf allen Seiten Bilanz. Zu dem schweren Zerwürfnis zwischen den südamerikanischen Staaten war es gekommen, nachdem die kolumbianische Armee Anfang des Monats ein Lager der Rebellenorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) auf ecuadorianischem Territorium angegriffen hatte. Die sozialistische Regierung unter Präsident Rafael Correa brach daraufhin die Beziehungen zu Bogotá ab und beorderte Truppen an die Grenze. Venezuela folgte diesem Schritt.

Dass in der internationalen Presse die Reaktion Venezuelas als aggressiver Akt dargestellt wurde, traf nun auf die Kritik des venezolanischen Regierungsabgeordneten Darío Vivas: "Unsere Reaktion war ein Präzedenzfall der Solidarität", sagte er in Caracas im Gespräch mit amerika21.de. Auch künftig werde die venezolanische Regierung es nicht erlauben, dass die Souveränität anderer Staaten in der Region verletzt werde. "Damit tragen wir zum Frieden in der Region bei", so Vivas, der zudem die Signalwirkung in die USA betonte.

Der Angriff Kolumbiens auf Ecuador war in Lateinamerika und der Karibik auf harsche Kritik gestoßen. In der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) war Kolumbien bei einer Dringlichkeitssitzung wenige Tage nach dem Zwischenfall jedoch nicht verurteilt worden. Beobachter führten die relativ nachgiebige Haltung der OAS auf den historisch starken Einfluss der USA in der Regionalorganisation zurück. Die so genannte Rio-Gruppe, ein Zusammenschluss lateinamerikanischer Staaten, hatte am vergangenen Wochenende das Verhalten Kolumbiens weitaus deutlicher verurteilt. Erst daraufhin lenkten Ecuador und Venezuela ein. Brasilien, das sich als die eigentliche Regionalmacht sieht, blieb in dem gesamten Konflikt passiv.

Ein Hauptproblem sieht Vivas in der Berichterstattung. "Die transnationalen Medienkonzerne zwingen den internationalen Publikum ihre Informationen auf", sagte der Politiker im amerika21.de-Gespräch. So sei über die erfolgreichen Verhandlungen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez mit den kolumbianischen Rebellen über deren Gefangene weit weniger berichtet worden: "Dabei wurden als Ergebnis dieser Verhandlungen sieben Landsleute von den FARC frei gelassen". Den großen Konzernen "geht es offenbar nur darum, die Hegemonie des Imperialismus aufrecht zu erhalten", sagte Vivas mit Blick auf den nach wie vor starken Einfluss der USA in Lateinamerika. Eine Lehre aus der nun überwundenen Krise sei es deswegen, weiterhin eine Strategie zur Verbreitung von Gegeninformationen aufzubauen.


Im Anhang zu diesem Beitrag dokumentieren wir alle Beiträge von amerika21.de zu der Krise in Südamerika - in ungeordneter Reihenfolge. Die Beiträge finden sich in chronologischer Folge auf der Startseite.

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