Havanna. 1.500 Teilnehmer nehmen an der Internationalen Konferenz "Fidel: Vermächtnis und Zukunft" teil, die vom 10. bis zum 12. August in Havanna stattfindet. Zum Beginn der Veranstaltung wurde ein Video mit Etappen aus dem Leben des 2016 verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro Ruz gezeigt, das immer wieder vom Beifall der Zuschauer unterbrochen wurde.
René González Barrios vom Centro de Estudios Fidel Castro ging zu Beginn der Konferenz auf den "Völkermord am palästinensischen Volk" und den von "Israel und den USA geführten Krieg gegen den Iran" sowie die Blockade gegen Kuba ein. Trotz der schwierigen Lage in Kuba seien 1.500 Delegierte aus 63 Ländern nach Havanna gereist, erklärte González.
Miguel Díaz-Canel, Staatspräsident und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Kubas, erklärte zu Beginn seiner Ansprache, es sei "ein Akt des Mutes und der Solidarität", in diesen Zeiten "des ökonomischen Krieges" nach Kuba zu kommen. Díaz-Canel ging auf Kuba vor der Revolution ein: 70 Prozent der Schüler auf dem Land hatten damals keine Lehrkräfte, und 95 Prozent der Kinder waren von Parasiten betroffen. 46 Prozent des Landes wurden von 1,5 Prozent der Bevölkerung und "nordamerikanischen Unternehmen" kontrolliert. Heute weise das Land mit 77,7 Jahren eine der höchsten Lebenserwartungen in Lateinamerika auf und habe neun Ärzte auf 1.000 Einwohner.
Fidel sei nicht nur ein Staatschef, sondern "Arbeiter, Strategie und Student" gewesen. Nie ein Pessimist, auch nicht nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Europa. In den 1990er Jahren habe Fidel internationale Gesundheitsarbeit vorangebracht, 1998 mit der Gründung eines Gesundheitsprogramms für Mittelamerika und die Karibik und 1999 mit der Gründung der ELAM, der Medizinischen Universität für Lateinamerika.
Díaz-Canel ging auf konkrete Folgen der Blockade ein, so könnten 98.500 notwendige Operationen aktuell nicht durchgeführt werden, nur 30 Prozent der benötigten Medikamente seien vorhanden und 34.000 Schwangere bekämen nicht die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen.
Der Staatschef ging auch auf die aktuellen Wirtschaftsreformen ein, diese seien "keine Rückkehr zum Kapitalismus", die "Produktionsmittel bleiben in den Händen des Volkes". Díaz-Canel forderte zu "kritischem Denken über den Sozialismus des 21. Jahrhunderts auf". Weltweit müssten von der Solidaritätsbewegung Kampagnen und Anzeigen gegen die Blockade noch verstärkt werden.
"Niemand ergibt sich hier, niemand geht auf Knien", beendete Díaz-Canel seine etwa 45-minütige Ansprache. Der Saal antwortete mit "No Pasaran"-, "Yo soy Fidel"- und "Cuba sí, bloqueo no"-Rufen.
Unmittelbar nach Díaz-Canel sprach Liu Haixing, Internationalismusverantwortlicher im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas, der ein Grußwort von Staatspräsident Xi Jinping überbrachte.
Danach erklärte Tjitunga Elijah Ngurare, Premierminister von Namibia, man könne im "südlichen Afrika nicht über Freiheit reden, ohne Fidel und Kuba zu erwähnen". Er ging auf die kubanischen Militärmissionen gegen Kolonialismus und Apartheid ab 1975 in Afrika ein. Die "Befreiung von Nelson Mandela und das Ende der Apartheid hat Kuba möglich gemacht". Kuba leide "seit 66 Jahren unter der Blockade der USA". "Kuba war immer mit uns im Kampf für die Unabhängigkeit Afrikas, jetzt ist Kuba nicht allein".
Walter Baier, Vorsitzender der Europäischen Linken, überbrachte Grüße "linker Parteien und progressiver Menschen aus Europa". Die Blockade sei ein "ökonomischer Krieg und ein stiller Völkermord", sagte Baier. "Lasst die Menschen in Kuba leben". Der Politiker, der auch Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs ist, forderte, Kuba von der Liste der Länder zu streichen, die angeblich den "Terrorismus unterstützen", und rief zur internationalen Solidarität auf. José Luis Cantella, Präsident der Partido Comunista de España, ging auf die von US-Präsident Donald Trump und Marco Rubio verbreiteten Behauptungen ein, Kuba stelle eine Gefahr für die USA dar, und sagte, ein Angriff auf Kuba "ist ein Angriff auf uns alle".
Weitere Stellungnahmen kamen unter anderem von der Kommunistischen Partei Portugals und der Kommunistischen Partei Vietnams sowie von João Pedro Stédile von der Landlosenbewegung MST in Brasilien. Stédile erinnerte daran, dass Fidel Castro als einer der ersten Politiker vor den Auswirkungen des Klimawandels gewarnt hatte. Der Kampf gegen "naturzerstörende, mulitnationale Konzerne ist der Kampf gegen den Imperialismus", so Stédile, der abschließend sagte, "Kuba verteidigen ist uns selbst verteidigen." Ein Vertreter der Russischen Föderation überbrachte ein Grußwort von Präsident Wladimir Putin. Als einzige Frau sprach eine Vertreterin Südafrikas und würdigte Kubas Einsatz gegen die Ebolapandemie.
Die Konferenz läuft noch bis Mittwoch mit einem umfangreichen Programm rund um das Leben und Wirken des kubanischen Revolutionsführers. Am Donnerstag wird der 100. Geburtstag Castros mit einem Festakt im Theater Karl Marx in Havanna und mit einer Karawane in seinen Geburtsort Birán gefeiert.


