La Paz. Die bolivianische Regierung hat ihre neue Strategie zur Drogenbekämpfung 2026 – 2030 präsentiert, die die Bereiche öffentliche Sicherheit, öffentliche Gesundheit und ganzheitliche Entwicklung umfasst. Das Regierungsprogramm werde mit 492 Millionen US-Dollar finanziert, wovon mehr als die Hälfte aus der internationalen Zusammenarbeit kommen soll.
Die Drogenbekämpfungspolitik wurde gemeinsam mit dem aktuellen Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) über den Kokaanbau im Land auf einer Pressekonferenz in La Paz vorgestellt. UNODC zufolge wurden im letzten Jahr auf 36.400 Hektar Kokapflanzen angebaut. Dies entspricht einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Der Bericht der Behörde, der von der Europäischen Union finanziert wurde, stellt außerdem fest, dass die Vernichtung von Kokapflanzen von 10.000 Hektar in 2024 auf 2.732 in 2025 zurückging.
Die Anbautrends variieren je nach Region. Während Anbauflächen in den Yungas im Department La Paz leicht abnahmen, stieg der Anbau im Trópico von Cochabamba um 22 Prozent. Die zugelassenen Märkte für den legalen Verbrauch von Kokablättern verzeichneten erhebliche Preisanstiege zwischen 2024 und 2025. In La Paz nahm der Preis um 82 Prozent zu und kostet pro Kilogramm in etwa 17,8 US-Dollar. In Cochabamba kostet das Kilo rund 12,1 US-Dollar, was einem Anstieg um 68 Prozent entspricht.
Der Innenminister Marco Antonio Oviedo bezeichnete den Bericht als "besorgniserregend". "Wir müssen den Anbau von überschüssigen und illegalen Pflanzen schrittweise auf die gesetzlich festgelegten Grenzen reduzieren und dabei streng zwischen legalem Anbau und der traditionellen Nutzung des Kokablattes unterscheiden", sagte er.
Das bolivianische Gesetz erlaubt den Anbau auf bis zu 22.000 Hektar in zertifizierten Gebieten, um den Bedarf für traditionelle Verwendungszwecke der Kulturpflanze zu decken. Der aktuelle Anbau liegt damit weit über der zulässigen Obergrenze.
Laut Oviedo müsse der bolivianische Staat sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach Kokain eindämmen. Die bolivianische Spezialeinheit zur Bekämpfung des Drogenhandels (FELCN) werde die Produktion in bestimmten Regionen verbieten. Gleichwohl seien diese Maßnahmen durch "Finanzaufklärung, Vermögensermittlungen, die Einziehung von Vermögenswerten und eine strenge Kontrolle von chemischen Vorläufersubstanzen" zu ergänzen, fügte er hinzu.
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Die Eindämmung der Nachfrage betrifft den Bereich der öffentlichen Gesundheit. "Prävention, Behandlung, Rehabilitation und soziale Integration" mit Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen sowie besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen seien zu priorisieren, so Oviedo.
Bolivien trage zwischen zehn und 15 Prozent zur Gesamtproduktion von Kokain in der Andenregion bei, so Bo Mathiasen, Direktor der UNODC. Diese Zahl entspreche in etwa einer Menge von 400 bis 600 Tonnen der Droge. "Wir schätzen derzeit, dass in den Andenländern 4.000 Tonnen reines Kokain produziert werden. Bolivien ist der kleinste Produzent; Kolumbien ist der größte; und Peru nimmt eine mittlere Position ein", erklärte er. Aufgrund der hohen Exportkosten von Kokablättern in andere Länder sei es offensichtlich, dass die überschüssige Produktion über den legalen Konsum hinaus in bolivianischen Laboren zu Kokainhydrochlorid verarbeitet würde.
Ursachen für die Ausweitung des Kokaanbaus sieht er im Anstieg des weltweiten Konsums. Die Nachfrage nach Kokain sei nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika und im Nahen Osten gestiegen. Zudem würden auf bolivianischem Boden mächtige brasilianische Kartelle des organisierten Verbrechens wie das "Primeiro Comando da Capital" und das "Comando Vermelho" operieren, um die Kokainproduktion und -vermarktung zu kontrollieren. Daher seien nicht zuvörderst die Kokabäuer:innen zu verfolgen, weil sie das schwächste Glied in der Kette seien. Stattdessen müssten diejenigen ins Visier genommen werden, die mit dem organisierten Verbrechen zusammenarbeiten, den Import chemischer Vorläufersubstanzen für Labore sowie den Export von Kokain ins Ausland erleichtern und finanzieren.
Seit dem Amtsantritt von Rodrigo Paz vor zehn Monaten hat Bolivien eine neue Phase der internationalen Zusammenarbeit eingeleitet. Eine der wichtigsten Initiativen ist dabei das von den USA ins Leben gerufene "Escudo de las Américas" (Schutzschild Amerikas), das auf die Zusammenarbeit der rechten Regierungen in der Region setzt. Eine wichtige Säule ist die Bekämpfung des organisierten Verbrechens und transnationaler Netzwerke des Drogenhandels, wohingegen die Märkte und der Konsum in den westlichen Industrieländern keine Rolle spielen.
Mitte Mai hatte die rechtsorientierte Regierung von Rodrigo Paz die Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Behörde zur Drogenbekämpfung (Drug Enforcement Administration, DEA) wieder aufgenommen. Ex-Präsident Evo Morales von der Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo, MAS) hatte sie wegen ihrer mutmaßlichen Teilnahme an einem Komplott vor fast 18 Jahren des Landes verwiesen. Nun operiert sie erneut mit einem Büro in La Paz. Ihre Aufgaben seien auf nachrichtendienstliche Nachforschungen, Austausch von kriminalpolizeilichen Erkenntnissen und institutionelle Stärkung beschränkt. Sie würde weder an Drogenbekämpfungsmaßnahmen teilnehmen noch in sensiblen Gebieten wie dem Chapare eingesetzt, erklärte die Regierung.

