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Farc in Kolumbien: Die größte und älteste Guerilla in Lateinamerika ist entwaffnet

Festakt am Dienstag in Departement Meta. Beobachter sprechen von historischem Ereignis. UN bestätigt Entwaffnung der Rebellen
Präsident Santos, Jean Arnault und Timoleón Jiménez (v.l.n.r.)

Präsident Santos, Jean Arnault und Timoleón Jiménez (v.l.n.r.)

Quelle: twitter.com

Bogotá. In Kolumbien hat die ehemalige Rebellenorganisation Farc die Abgabe ihrer Waffenbestände unter Begleitung von Militärbeobachtern der UNO abgeschlossen. Kolumbianische und lateinamerikanische Medien sprachen von einem historischen Tag. Ein Festakt unter Teilnahme führender Farc-Mitglieder, von Präsident Juan Manuel Santos und Regierungsvertretern sowie UN-Funktionären fand in einer der 26 Entwaffnungszonen im Departement Meta statt.

Die Hauptrede hielt der Chef der UN-Mission in Kolumbien, Jean Arnault. Er erinnerte an die wichtigen Schritte des Friedensprozesses, darunter der Waffenstillstand im August vergangenen Jahres. Seither hätten die Vertreter der UNO exakt 7.132 Kampfmittel aus den Händen der Farc entgegengenommen und sichergestellt. Die Übergabe habe in den Entwaffnungszonen stattgefunden, in die sich die Farc-Kämpfer in den vergangenen Wochen und Monaten begeben hatten. Darüber hinaus bestätigt die UNO, 77 Waffenverstecke, sogenannte Caletas, ausfindig gemacht und neutralisiert zu haben. "Bis zum 1. August wird die (UN-)Mission alle Container mit Waffen aus den Sammelzonen entfernt haben“, fügte Arnault an.

Farc-Chef Timoleón Jiménez beim Festakt zur Waffenabgabe der Farc in Kolumbien

Farc-Chef Timoleón Jiménez beim Festakt zur Waffenabgabe der Farc in Kolumbien

Quelle: FARC_EPeace

Mit der Übergabe der Kampfmittel ist der seit über 50 Jahren andauernde bewaffnete Konflikt zwischen der größten und ältesten Guerillagruppe Lateinamerikas und dem kolumbianischen Staat beendet. Beobachter in Kolumbien sehen indes mit Sorge, dass die Gewalt rechtsgerichteter Paramilitärs andauert. Vor allem um die 26 Entwaffnungszonen für die Farc könne es zu tödlichen Anschlägen auf die nun unbewaffneten Ex-Rebellen kommen. In den vergangenen Wochen und Monaten waren mehrere Farc-Mitglieder, aber auch Sozial- und Menschenrechtsaktivisten ermordet worden.

In Kolumbien hatte es schon früher freiwillige Entwaffnungen von Rebellengruppen gegeben. In den neunziger Jahren hatten die Rebellengruppen M-19 und EPL ihre Waffen an den Staat übergeben, um wieder Teil des zivilen politischen Lebens des Landes zu werden. Einige Mitglieder dieser Gruppen sind heute Parlamentsmitglieder oder sind an anderer Stelle politisch aktiv.

Ehemalige Kämpfer der Farc beim Festakt am Ende der Waffenabgabe in Kolumbien

Ehemalige Kämpfer der Farc beim Festakt am Ende der Waffenabgabe in Kolumbien

Quelle: twitter.com

Daher hatten sich auch die Farc im Laufe des Friedensprozesses, der maßgeblich in der kubanischen Hauptstadt Havanna stattfand, verpflichtet, die eigenen Waffen vollständig der UN zu übergeben. Vertreter der kolumbianischen Rechten unterstützen indes die Verschwörungstheorie, dass die Farc weiterhin über Waffenverstecke verfügen. Dieser These steht die Einschätzung der UN-Mission unter Leitung von Arnault sowie die Meinung der Regierung Santos entgegen. "Die bis jetzt minutiös durchgeführte Waffenübergabe ist nur ein Teil der Verpflichtungen, auf die sich beide Seiten (des Friedensprozesses) eingelassen haben“, kommentierte einer der Farc-Kommandanten, Pablo Catatumbo. Die Farc wollen nun auch parteipolitisch aktiv werden. Unklar ist jedoch, ob sie eine eigene Partei gründen, oder erneut in der Kommunistischen Partei Kolumbiens aktiv werden.

In der Geschichte der Friedensabkommen zwischen Rebellen und Regierung in Kolumbien hatte bislang keine Gruppierung die Beteiligung internationaler Organisationen akzeptiert. Bei der Abgabe der Kampfmittel von M-19 und EPL hatten beide Rebellengruppen ihre Bestände an Vertreter der Sozialistischen Internationale übergeben. Insofern war die Begleitung des Prozesses durch die UN nun ein Novum. Zugleich hatte die Regierung Santos dadurch genug Rückhalt, um der heftigen Kritik der kolumbianischen Rechten um Amtsvorgänger Álavro Uribe standzuhalten. Dabei halfen auch die Garantiestaaten Kuba, Ecuador, Venezuela, Norwegen und Chile.

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