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31.08.2017 Chile / Menschenrechte

Chile: Suche nach Massengrab in Colonia Dignidad

Gedenken an die Opfer der Colonia Dignidad in Chile

Gedenken an die Opfer der Colonia Dignidad in Chile

Santiago de Chile. Der chilenische Richter Mario Carroza hat vergangene Woche das Gefängnis von Cauquenes im Süden Chiles besucht und dort die inhaftierten Führungsmitglieder der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad Kurt Schnellenkamp, Gerhard Mücke und Karl van den Berg vernommen.

Danach begab sich Carroza gemeinsam mit dem ehemaligen Vertrauten von Sektenführer Paul Schäfer, Willi Malessa, in die Colonia Dignidad. Er sagte gegenüber dem Richter aus, dass er 1978 an der Exhumierung von Leichen politischer Gefangener beteiligt war, die dort in den Jahren 1973 und 1974 hingerichtet wurden. Sie seien verbrannt worden, jedoch wurde eines der Massengräber damals nicht wieder gefunden. Erstmals sprach Malessa über die Verbrechen und gab Hinweise auf mögliche Fundorte. Es wird erwartet, dass Richter Carroza in Bälde neue Ausgrabungen anordnet, um dieses weitere Grab aufzufinden.

Die Gruppe der Angehörigen der Opfer forderte indes die ehemaligen deutschen Bewohner der Foltersiedlung auf, an der Aufklärung der Straftaten in der Colonia Dignidad mitzuwirken. In einer Pressemeldung vom 26. August bitten sie diese "unabhängig davon, wo sie sich zur Zeit befinden", dazu beizutragen, das Schicksal ihrer Familienmitglieder aufzuklären.

Der Sektenarzt Hartmut Hopp lebt seit Jahren in Krefeld. Er wurde in Chile wegen Beihilfe zum sexuellen Kindesmissbrauch zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt, entzog sich jedoch der Inhaftierung durch Flucht nach Deutschland. Das Landgericht Krefeld hat Mitte August  entschieden, Hopp in Deutschland in Haft zu nehmen, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Hopp war über Jahre hinweg einer der Vertrauten des Sektengründers Paul Schäfer. In Chile laufen weitere Ermittlungen gegen ihn wegen seiner Rolle als Kontaktperson zum chilenischen Geheimdienst DINA während der Militärdiktatur. Schäfer selbst wurde zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt und starb im Jahr 2010 im Alter von 88 Jahren im Gefängnis.

Die Colonia Dignidad war 1961 von dem Nazi und Pädophilen Schäfer rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile gegründet worden. Er und seine Anhänger verübten in der Sektensiedlung systematisch Kindesmissbrauch, Körperverletzungen und zwangen Bewohner zur Zwangsarbeit. Während der Militärdiktatur (1973-1990) wurden dort Regimegegner gefoltert und ermordet.

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