Kolumbien: Farc-Gefangene fordern Umsetzung des Friedensvertrags und Achtung der Menschenrechte

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Farc-Gefangene bei der Videoaufzeichnung im Gefängnis La Picota
Farc-Gefangene bei der Videoaufzeichnung im Gefängnis La Picota

Bogotá. Politische Gefangene aus den Reihen der ehemaligen Guerilla "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee" (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo, Farc-EP) haben Verstöße gegen den Friedensvertrag und Bedrohungen beklagt. Sie sitzen im Hauptstadtgefängnis La Picota ein. Mit einem Video richteten die politischen Gefangenen sich an die internationale Gemeinschaft sowie an das Büro der Vereinten Nationen in Kolumbien und forderten die Einhaltung der Menschenrechte und des Friedensabkommens.

Ihre Vorwürfe beziehen sich zum einen darauf, dass viele gefangene Farc-EP-Guerilleros die im Friedensvertrag vereinbarte Amnestie nie erhalten haben. Bei über 600 sei die juristische Lage ungeklärt und sie verblieben weiter in Haft, erklärte kürzlich der ehemalige Farc-EP-Kommandant Andrés París. Die Nachfolgepartei der Guerilla, die Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (FARC) erkenne zudem nur 171 von ihnen als ehemalige Mitglieder der Organisation an, die übrigen seien von der Amnestieliste gestrichen worden.

Darüber hinaus klagen die Gefangenen über Bedrohungen und Angriffe, wie illegale Verlegungen in andere Gefängnisse und auch über anhaltende Folter und Isolierung. Letzteres betreffe vor allem die ehemaligen Mitglieder der Farc-EP, Air Camilo Patiño, Luis Fernando Franco Reyes, Luis Carlos Cifuentes Puerta, Uriel Ordóñez, Duván Triviño Morales und Fabián Viracachá Ballen. Ihr einziges Verbrechen sei, anders zu denken und keine andere Wahl gehabt zu haben, als im viertungleichsten Land der Welt zu den Waffen zu greifen. "Die Erfüllung des Friedensvertrages von Havanna ist die Garantie für den Aufbau von Frieden mit sozialer Gerechtigkeit, ohne Verzögerungen, ohne Fallen, ohne weitere Täuschung des kolumbianischen Volkes", so die Gefangenen weiter.

Das Abkommem zwischen der kolumbianischen Regierung unter dem damaligen Präsidenten Juan Manuel Santos und der Farc-EP wurde 2016 in Havanna unterzeichnet. Es beendete den internen Konflikt zwischen Farc-EP und Staat offiziell und führte zur Demobilisierung des Großteils der Organisation. Allerdings bleibt die Realität hinter den Erwartungen und Versprechen aus dem Vertrag weit zurück. Zudem wurden seit dem Vertragsabschluss 180 ehemalige Kämpfer ermordet, zuletzt Arley Mejía Saldaña in Cali. Daher bildete sich in diesem Jahr eine neue Gruppe unter der Flagge der Farc-EP, die den bewaffneten Kampf wieder aufgenommen hat.

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