Nach Wahl in Argentinien: Märkte reagieren besonnen, IWF gratuliert, Bolsonaro nicht

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Der bisherige und der zukünftige Präsident von Argentinien: Mauricio Macri (rechts) und Alberto Fernández am Montag im Präsidentenpalast
Der bisherige und der zukünftige Präsident von Argentinien: Mauricio Macri (rechts) und Alberto Fernández am Montag im Präsidentenpalast

Buenos Aires. In den ersten Tagen nach der Wahl von Alberto Fernández zum neuen Präsidenten von Argentinien sind befürchtete negative Reaktionen der Märkte ausgeblieben. Zu positiven Reaktionen hingegen kam es von vielen Staatschefs weltweilt, insbesondere aus Lateinamerika. Auch die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, reihte sich in die Glückwünsche ein. Das Verhältnis der kommenden Regierung zum IWF wird wegen dessen Auflagen aufgrund der erteilten Kredite von Bedeutung für die Entwicklung der wirtschaftlichen Situation des Landes sein.

Ein wichtiges Zeichen wird Fernández mit seiner ersten Reise als gewählter Präsident in Richtung einer weiteren Reaktivierung regionaler Integration setzen, wenn er zu Beginn kommender Woche nach Mexiko reist. Zunächst wird er dort mit Präsident Andres Manuel López Obrador zusammenkommen, anschließend mit Vertretern der Puebla-Gruppe, einem neuen Bündnis progressiver politischer Kräfte in Lateinamerika. Fernández wird von Felipe Solá begleitet werden, der neuer Außenminister werden soll.

Derweil traf sich Fernández am Tag nach der Wahl im Präsidentenpalast "Casa Rosada" mit seinem Vorgänger, Mauricio Macri. Dabei sagte Macri eine geordnete Übergabe der Regierungsgeschäfte zu.

Aus Unternehmerkreisen sind indes erste Erwartungen an den künftigen Präsidenten gerichtet worden: Man erhoffe sich eine Senkung der Zinssätze, eine Stabilisierung der Währung sowie Konsumanreize. Die Zentralbank kündigte bereits an, Banken zu ermöglichen, die Höhe der Neuaufnahme von Krediten zu verdoppeln, sofern damit Gehälter für Angestellte des Staats, der Provinzen und der Kommunen gezahlt werden. Damit würde einem möglichen Zahlungsausfall vorgebeugt werden.

Als erste unmittelbare Maßnahme auf den Wahlsieg von Fernández hatte die argentinische Zentralbank verkündet, dass Privatpersonen bis Dezember argentinische Pesos nur noch maximal im Wert von 200 US-Dollar tauschen dürfen. Damit will sie die im Raum stehende Kapitalflucht und den weiteren Verlust von Devisen verhindern. Im September war das Limit aus gleichen Gründen noch auf 10.000 Dollar festgelegt worden. Am Montag fielen jedoch die Reserven der Bank um weitere 101 Millionen Dollar auf nur noch rund 43 Milliarden. Der von Macri aufgenommene Kredit beim IWF hat alleine eine Höhe von 57 Milliarden Dollar. Bereits vergangene Woche musste die Zentralbank 600 Millionen an nur einem Tag zuschießen.

Ihr Präsident Guido Sandleris kündigte für die kommenden Tage allerdings noch weitere konkrete Maßnahmen an. Der Wert des Pesos selbst blieb seit Sonntag relativ konstant, es kam zu keinem merklichen Kursverlust.

Somit bestätigt sich, dass sich die internationalen Märkte seit den Vorwahlen bereits mit der neuen Mitte-links-Regierung abgefunden zu haben scheinen. Den Glückwünschen des IWF entgegnete Fernández, man hoffe, der aktuellen Krise zu entkommen und die getroffenen Verabredungen einhalten zu können. Jedoch müssten alle Argentinier von einer wieder wachsenden Wirtschaft profitieren. Bereits im Juni hatte er angekündigt, bei einem Wahlsieg die Bedingungen für die Rückzahlung des IWF-Kredits nachverhandeln zu wollen. Ein Bruch mit den Vereinbarungen stand bisher noch nicht im Raum.

Der Wahlgewinner bedankte sich auch beim in der vergangenen Woche im Amt bestätigten Evo Morales aus Bolivien sowie bei Präsident Nicolás Maduro aus Venezuela. Diesem antwortete er, Lateinamerika müsse gemeinsam gegen Armut und Ungleichheit vorgehen und dabei immer die Demokratie achten. Brasiliens Präsident, Jair Bolsonaro, verzichtete auf Glückwünsche und erklärte, die argentinischen Wähler hätten eine "falsche Entscheidung getroffen".

Fernández hatte noch am Wahltag "seinem Freund", Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, zum Geburtstag gratuliert und erneut die Forderung nach seiner Freilassung wiederholt. Lula antwortete am Dienstag mit einem weiteren Brief an Fernández. Darin drückte er seine Hoffnung aus, dass Lateinamerika nun nach und nach "Brüderlichkeit und Respekt" wiederfinden werde.

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